eines Volks, das, zu Einem Zwecke vereinigt, ſich er⸗ hoben hat, und alle ſeine Kräfte zuſammenſchmilzt für Einen Willen, und im Siegesgefühl ſeiner Gemeinkraft in Waffen erſteht, ſeine Selbſtſtändigkeit zu behaupten. Es gibt keinen ſchönern Anblick für einen Erdenbürger, und ſähe ich einmal ſo mein deutſches, zerſpaltenes Volk, es würde mir den glücklichſten Rauſch bringen, der je meine Zirbeldrüſe und mein Senſorium incommodirt hätte.
Der neue Krieg mit Oeſterreich und Rußland war ſchon ausgebrochen: von allen Gegenden ſtrömten fran⸗ zöſiſche Heerhaufen dem längſt überſchrittenen Rheinſtrome zu. Die Gewißheit des Sieges lag auf dem jüngſten An⸗ geſicht; das Vertrauen auf den nie beſiegten Feldherrn, den Kriegesgott der Zeit, den furchtbaren Ares, leuch⸗ tete aus jedem Auge. Und mehr ſah der Franzoſe jetzt in ſeinem Napoleon; ſchien er doch der Wiederherſteller der alten Ordnung, der lang verlorenen bürgerlichen Sicherheit, der Einiger aller Parteien, der Verſöhner aller blutigen Gräuel, die das ſchönſte Land Europa's ſeit Jahren zu einer Mordſchlucht und Tigerhöhle ver⸗ ſchimpft hatten.
Auch unſer junges Blut wurde erhitzt durch die locken⸗ den Scenen, mein Arm litt oft an ſeinem gewohnten Zucken, und Güldenkrons Blicke funkelten, wenn eine Küraſſierbrigade auf der Heerſtraße an uns vorüberzog.
Wir langten in Straßburg an, und bald wurde das Hotel des Comte de Brandon uns gezeigt. Mit feier⸗ lichem Ernſte legte Güldenkron ſeine Ritterſchaftsuniform an und Degen und Piſtolen im Gaſthofe zurecht, ließ den Paul, der treu geharrt, die Pferde geſattelt hal⸗ ten, und marſchirte mit mir, der ich auch mein ſtattlich⸗ ſtes Kleid trug, zu dem Palais, woher wir nicht heim⸗


