Teil eines Werkes 
11 (1843)
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Als die Trauerzeit der Wittwe verfloſſen, als ſie zum erſten Male wieder in bunter Tracht und mit dem wei⸗ ßen, turbanähnlichen Kopftuche ihrer Landsmänninnen umherging, als der luſtige Brautbitter, mit bunten Sei⸗ denbändern geputzt, vom Hofe galoppirte, und Beatus zu Nienkop mit der Braut neben den drei weißen Stei⸗ nen ſtand, welche die Flut umgeworfen hatte, da um⸗ faßte er zum erſten Male mit der Dreiſtigkeit und In⸗ brunſt belohnter Liebe die ſchöne Frau. Den glühenden Blick in ihre Taubenaugen ſenkend, ſagte er da: Hier war es, Beta, wo ich gelobte. Sprich, habe ich mein Gelübde redlich gehalten?

Mehr als redlich, antwortete die Erröthende. Gott ſah es und Gott wird es lohnen, denn hier unten gibt es keine Zahlung für ſolche Treue. Aber auch ich brach mein Verſprechen nicht; acht Jahre hatten Dein Ange⸗ denken nicht vertrieben, und in der Todesnoth wareſt Du mein erſter Gedanke, und Du wäreſt auch mein letzter geweſen. Aber Ihr Männer ſeid glücklicher, als wir; ich mußte dem vierten Gebote gehorchen, und acht Jahre des Frohndienſtes und aller Leiden voll, die Niemand ſah, Niemand mit Troſt begoß, mögen Deinen langen Gram um mich aufwiegen.

Die Leiden find verſchwemmt mit der großen Sünd⸗ flut, und nicht mehr da geweſen für uns. Wie die grüne Ernte da wieder aufſchießt aus den lange verödeten Fel⸗ dern, wie das junge Vieh dort wieder blöckt auf den ſo lange leeren Wieſen, wie überall die neuen rothen Dä⸗ cher ſich erheben aus den Trümmern, ſo iſt auch unſer Glück neu geboren im Verderben, und hätte ohne jene entſetzliche Nacht nimmer das Licht geſehen. O es ſei uns doppelt lieb darum, es ſei uns Warnung, daß nie