Teil eines Werkes 
11 (1843)
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bis hin zu Glückskind's Gehofte. Die alte Hausmagd hatte vertrauend auf Gott der Rückkehr des guten Herrn gedacht, und eine warme Bierſuppe kochte luſtig auf dem Herde des Vorplatzes. Der Inſtinkt ſammelte ſchnell die Geretteten um das knatternde, anlockende Feuer, und die Kinder ſtreckten ihre Händchen der ſchönen rothen Glut enigegen, zuerſt die Wärme ſuchend, welche die Mutter iſt alles thieriſchen Lebens. Da wandte ſich Beta nach einigen Minuten der Erquickung wieder um nach dem ſtumm daſtehenden Vater, und als wenn jetzt erſt ihre Beſinnung aufgethaut wäre, die der Froſt zerſtört, rief ſie mit herzdurchbohrender Klageſtimme: Aber, Vater, wo iſt denn mein Trudchen und wo der Buſch? Ich ſah ſie ja nicht, ſeit er die Wiege forttrug zum Vetter Niklas, der am höchſten wohnt im Orte. O ruft ihn her, denn ſeit die Angſt fort iſt, drückt mich die volle Bruſt und ſticht wie Meſſer, und gewiß, die Kleine hungert. Oder ſchrie ſie auf mit Mutterverzweiflung hat ſie das Waſſer verſchlungen? Ich ſeh's Ihm an, Vater! O dann werft mich nur auch wieder hinein! Der Vater deu⸗ tete wortlos gen Himmel; aber in der nahen Stube ſchlug ein Hund an, und ein Kind kreiſchte laut, als riefe es nach der Mutterbruſt.

Das iſt Allart! rief der Wachtmeiſter. Das iſt Trud⸗ chens Stimme! ſchrie Beta faſt athemlos, und Beatus öffnete mit der Empfindung eines Seligen die Thür, und ſie ſtürzten hinein, und die Mutter riß das ihr noch ein⸗

mal geborene Kind zu ſich her, und preßte es gegen den gewölbten Buſen, und ſank mit ihm, in Freude erſchöpft, auf den Sorgeſtuhl. Die Worte ſind arm für ſolche Scenen; nur der Meiſter Maler kann ſo etwas darſtel⸗ len für den Fernen, indeſſen doch nur mit todten Tinten,