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Räſſe nicht, und geht nachher flau. Ihr an den Bog⸗ ſpriet, ich an das Steuer, friſch geſchwenkt die Fregattel — Ich habe längſt getrunken! antwortete Beatus mit einem Wonneblick auf die junge Frau; raſch löſete er das Tau, wendete, und nahm ſeinen Sitz der Geliebten gegenüber ein.— Der Wachtmeiſter überſah mit finſtern Blicken noch einmal ſein zerſtörtes Eigenthum, dann ſetzte auch er ſich mitten in das Schiff und verhüllte ſein graues Haupt mit der Kleidung. Die Schifffahrt ging glücklich und ſchneller zurück, als heran; die Strömung half den Ruderern, und ſo zerſtreut und unvorſichtig Beatus auf der Herfahrt geweſen, ſo beſonnen und vor⸗ ſichtig war er jetzt. Bald ſahen ſie Land; bald begrüßte ſie das Jubelgeſchrei der Kranzer vom Ufer her; als der Erſte ſtieg der glückliche Glückskind mit einem Columbus⸗ Gefühle an das Land, und trug die dem Meergott ent⸗ riſſene Lieblingin triumphirend auf den Anger hinauf, in den Kreis der Landleute, deren Freude ſie begrüßte und die den Retter laut ſegneten.
Daniel! ſagte der Wachtmeiſter bei dem Ausſteigen, Ihr müßt mir Unverſchämten noch eine zweite Wohlthat erweiſen, müßt uns als Gäſte aufnehmen in Euer Haus, vielleicht auf lange.— Gebt nicht, Herr Wollan! ant⸗ wortete kopfſchüttelnd der Schiffer. Wäre wider die Sub⸗ ordination, wäre ein Frevel gegen meinen Capitain, der dort ſchon voranſchreitet mit Euren Enkeln nach ſeiner Kajüte. Und folgt ihm nur getroſt; denn glaubt mir, ohne den Mann dort, dem Ihr beſonders lieb ſein müßt, ſäßet ihr Alle noch im kalten Maſtkorbe, und wäret mit⸗ ſammt erfroren oder verdürſtet bis zur Nacht.— Mit finſtern Mienen folgte der Wachtmeiſter dem gedrängten Zuge derer, welche ſeine Familie trugen und unterſtützten,


