Teil eines Werkes 
11 (1843)
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Ewig unvergeßlich wird dieſe Nacht bleiben in der Geſchichte unſeres Vaterlandes, ſo lange es ſteht, denn die älteſte Erinnerung kennt kein ſo furchtbares und in ſeinen Folgen auf lange Zeit Unglück bereitendes Ereig⸗ niß im Lande der Niederſachſen. Der eintretende Voll⸗ mond, welcher immer hohe Springfluten ſchafft, ver⸗ einte ſich mit dem Nordweſtſturme, die Wellen der Nord⸗ ſee zu einer Höhe hinauf zu heben, die ſie ſeit Menſchen⸗ gedenken nicht erreicht hatten. Ein Wintergewitter der ſeltenſten Art zog ſchräg gegen den Sturm, Blitze ziſch⸗ ten herab, und der Donner krachte, als börſte die alte Erde in ihren Tiefen. Ob ein Vulkan im Boden des Meeres ſeinen Theil zu dieſen Schreckniſſen beigetragen, und ſo Waſſer, Luſt und Feuer wie ein Furiendreiblatt über die ſchlummernde Schweſter Erde verrätheriſch her⸗ eingebrochen, die Schlafende zu vernichten, iſt unentſchie⸗ den geblieben, obgleich mehrere Küſtenbewohner vulka⸗ niſches Getöſe im Nordmeere gehört haben wollen, In⸗ ſeln geborſten ſind, und die in das Land brechenden Wogen heiß und ſchäumend über die Fluren ziſchten.

Die ſtarken und hohen Deiche Oſtfrieslands waren ſolchen Gewalten weder hoch, noch ſtark genug. Die ſchwellenden dunkeln Wogen überſtiegen den Wall, und ein meilenlanger Meer⸗Waſſerfall, vom Mondlichte in aller ſeiner Gräßlichkeit beleuchtet, brachte Entſetzen den wenigen Wachenden, die in der Schreckensſtunde Geſchäft oder Poſten vom Schlaf abgehalten hatte. Unaufgehal⸗ ten durch das allgemeine Angſigeſchrei der Menſchen ergoß ſich der Meerſtrom mit der Schnelligkeit des Ge⸗ dankens breit und voll über Fluren und Aecker; die Deiche, erweicht und aufgewühlt durch die Wirbel der Rieſenwellen, brachen durch, verſchwanden an zahlloſen