Teil eines Werkes 
11 (1843)
Einzelbild herunterladen

484

weſt; zackichtes Gewölk, vom Winde gejagt, warf kalten Regen mit Schnee und Schloßen gemiſcht herab; kaum konnte der Vollmond zuweilen einige Minuten lang durch⸗ blicken durch die eilig am Himmel vorüberflatternden Trauerſchleier, und am ſüdlichen Horizonte thürmten ſich ſchwarzblaue Wolkenberge immer höher empor in den wunderbarſten und Grauen erregenden Geſtalten. Der alte Matroſe blickte rundum, und ſchüttelte bedenklich ſein kahles Haupt.

Das gibt ein fürchterliches Unwetter auf die Nacht, oder ich müßte die Kunſt verlernt haben, ſagte er. Gnade Gott allen Seelen, die heute auf den Wellen ſchwim⸗ men; da wird Segel und Anker wenig helfen, und man⸗ cher Steuermann ſeinen Kredit einbüßen. Heute iſt Voll⸗ mond; der Wind läuft Weſt zum Nord; gut, daß die Nordſeeküſten unbezwingliche Deiche haben, ſonſt möchte die Springflut manchen der Schläfer dort ſehr bös und unſanft erwecken.

Beatus antwortete: Hüte ein Jeder nur Feuer und Licht, daß uns nicht treffe, was Städte und Dörfer im Lande. Feuersnoth iſt ein gräßlich Schickſal, freſ⸗ ſender als Wolf und Tigerthier, wenn dazu ſolcher Sturm ſie aufbläſet und alle Menſchenkraft in Ohnmacht wirft.

Waſſersnoth iſt mehr, verſetzte der Matroſe eintönig; Waſſer iſt der Rieſe unter den Elementen, dem Niemand entläuft, hat er ſeine Siebenmeilenſtiefeln angezogen und iſt damit auf's Land getreten. Gottes Güte ſchütze alle ſeine Kinder zu Waſſer und zu Lande! Darauf nah⸗ men die beiden Freunde Abſchied von einander; Beatus ſah auf ſeinem Hofe noch einmal nach Vieh und Knecht, löſchte ſelbſt Ofenfeuer und Licht, ſchaute noch einmal zum Fenſter hinaus nach dem Wetter und legte ſich ſchlafen.