——
455
auf den Leichenacker gelockt, einige Helfer zu ſuchen, die einen Vorſatz ausführen dürften, welcher plötzlich in ihm gereift war. Sein blanker Säbel und einige Fünffran⸗ kenſtücke, die er aus der franzöſiſchen Börſe ſpendete, war⸗ ven ihm bald zwei Arbeiter. Mit ihnen trug er die Lei⸗ chen der drei Brüder zuſammen, legte ſie in ein Grab, wozu er den FPlatz unter einer alten, vom Geſchütz zer⸗ riſſenen Eiche auserwählt, und ließ einen ſchweren Stein darauf wälzen, ihre Ruheſtatt zu ſichern. Die Trom⸗ pete rief nach kaum vollendetem Liebesdienſte die Verein⸗ zelten zu ihren Corps. Auch er folgte der bekannten Fanfare, doch nicht der lebensfrohe, leichtfertige Beatus mehr, ſondern ernſt und mit ſolch veränderten Geſichts⸗ zügen, daß die Kameraden beſorgt nach der Wunde des Tapfern fragten, die er tiefer trug, als Menſchenblicke einzudringen vermochten.—
Es war im zweiten Jahre nachher, als der alte Wacht⸗ meiſter Wollan auf ſeinem Gehöft im Dorfe Nienkop unter der großen Linde ſaß, und ſeine Abendpfeife rauchte. Ein rüſtiger Funfziger war der Alte, mit geſparten Kräf⸗ ten und Sinnen, und ſeine gerade Rückenhaltung zeigte auf den erſten Blick den geweſenen Soldaten an. Unter dem ſchwarzen Mützchen drang das graue Haar dicht hervor; die Augen funkelten ſcharf unter den dicken grauen Bögen heraus in die Abendſonne hinein, als frage er den Geiſt, der ſie bewohnte, um manches Räthſel ſeines Le⸗ bens, und dabei waren die faltigen Geſichtszüge ſo ſtreng geſtellt, als gälte es eine Abrechnung zwiſchen ihm und dem eiſernen Schickſal. Er trug zwar die weiten, dun⸗ keln Beinkleider der Leute des alten Landes, am Knie


