44
der, das Wohl und das Weh Eures Stifts ſteht auf dem Spiele, und zugleich vielleicht das des ganzen nörd⸗ lichen Deutſchlands; die ganze Frucht unſeres langen, nicht thatenarmen Lebens, die Frucht unſerer Entbeh⸗ rungen, unſerer Schlachten, alles droht verloren zu gehen an der Undankbarkeit und dem Eigenſinne deſſen, der Deutſchlands Kaiſerkrone trägt; ja, was mehr iſt als Alles das, unſere Ehre iſt befährdet vor der Welt, ein Kleinod, das wir bislang ſo rein gehalten und das wir rein mitnehmen wollen in die Vätergruft, der wir mit jedem Tage näher rücken.—
Der Freiherr war nach und nach immer mehr er⸗ wacht aus ſeiner Apathie und horchte jetzt mit weit offenen, glänzenden Augen.
Wir wiſſen uns keines Fehlers ſchuldig in unſerm Fürſtenleben, fuhr der Herzog fort, denn was wir ge⸗ than, geſchah mit Bedacht und für das Wohl der uns vertrauten Völker. Wir haben früherhin dem Kaiſer gedient aus ſchuldiger Devotion gegen das Reichsober⸗ haupt, und weil wir dadurch allein das langjährige Un⸗ glück unſeres Landes zu wenden und zu enden hofften. Aber wir haben Dornen ſtatt Roſen dafür empfangen; der Sieg bei Lutter iſt längſt vergeſſen, und der herz⸗ loſe Ferdinand, ſiegreich durch uns, arbeitete ohne Rückſicht an der Schmach und dem Untergange des Lü⸗ neburger Stammes, wagte die ſchönſten Landestheile an einen General zu verſchenken, der ſich beſſer zum Schlach⸗ termeiſter geſchickt, und der ohne unſer braves Schwert lange ſchon die Ungnade der Wiener Herren geſchmeckt haben würde. Die ſchreiende Ungerechtigkeit öffnete uns die Augen, wir ſahen die neugeſchmiedeten Ketten heran⸗ ſchleppen für das Vaterland, und entſchloſſen uns raſch


