Teil eines Werkes 
11 (1843)
Einzelbild herunterladen

43

wahrhaft fürſtlicher Geiſt erhob ſich ſtets über höfiſches Ceremoniel, wenn er mit höheren Dingen beſchäftigt war. Aber Durchlaucht hat doch keine Stecknadel an ſich? ſetzte er ſchnell hinzu, als der Herzog ihm gütig die Rechte entgegenſtreckte, und zurückfahrend hob ſich die lange Geſtalt zu ihrer ganzen Höhe, die Augen irrten unſtet über den Fürſten hin und das ganze Leichengeſicht zuckte in Furcht.—

Wie kommt Ihr zu der Thorheit, Dido? fragte der Herzog erſchüttert. Wir bedurften im Leben tiefer ſtechende Waffen, und Ihr meinet doch nicht etwa, wir wären ſchon vor Atter den Weibern oder Kindern gleich gewor⸗ den, weil wir anfangen, das Kriegsgedräng weniger zu lieben, und uns und den Unſrigen den Frieden zu wünſchen, der ſo groß Noth thut?—

Ja, ja, ſprach der Ahſtedter trübſinnig, indem er die hohlen Augen furchtſam rund an den düſtern Wän⸗ den umherlaufen ließ, nur Weiber und Kinder führen Nadeln, aber auch Nadeln ſtechen tief, tief bis in's Mark, und ſolch feiner Stich blutet nach innen, wenn ihn auch außen kein Wunvarzt zu finden weiß.—

Laſſet die Poſſen, Divo! fiel der Herzog ein, mit er⸗ zwungener Leichtfertigkeit. Wir beide tanzen nicht mehr und bedürfen der Wiege nicht mehr im Haushalt. Mich führen wichtigere Sachen zu Euch, und ich kam, den erprobten Rath, der mir und dem Vaterlande ſo oft Gutes erwies, in Anſpruch zu nehmen.—

Er ſetzte ſich vertraulich in den Seſſel, und mechaniſch that der Freiherr jenſeits daſſelbe, holte ſchwer Athem aus der hohlen Bruſt und ſenkte ſeine Blicke zum Eſtrich, als wäre ſeine Seele nicht zur Stelle.—

Ahſtedt, begann nach kurzer Pauſe der Herzog wie⸗