38
zeimer im Stift wütheten, und ſchon die Erinnerung
daran raubt mir Sinne und Kraft. Horch! Nepomuk
ſtöhnt ſchon die Steige herauf.—
Und ihr Ohr hatte ſie nicht getäuſcht, denn athemlos ſtand ſogleich der alte Schloßvogt vor ihnen.— Iſt das Thor feſt? Haſt Du Armbrüſte, Schwerter? Herbei da⸗ mit! Wie der tapfere Turnus decke ich das Thor mit meinem Leibe, bis Du Dein Fräulein in ein ſicheres Verſteck gebracht. Eile, rüttle Deine erlahmten Glieder auf; der Augenblick drängt, und mir kann kein ſchöneres Ende kommen.—
Der Greis ſah von ihm zu ihr mit dem Ausdruck der höchſten Verwunderung, dann ſammelte er ſich und ſagte ruhig: der hohe Herr, Herzog Georg von Lüne⸗ burg hält am Thore und bittet um Einlaß, und begehrt unverzüglich den Schloßherrn zu ſprechen.—
Klotilde und Ewald holten gleichzeitig tief Athem, und waren wie aus einem ſchweren Traume erwachend, dem tiefe Erſchlaffung zu folgen pflegt.—
Der Landesherr? ſtotterte das Fräulein wie in ver⸗ worrenen Gedanken. Was will er von uns?— Aber laß ihn ein ohne Zögern; wecke den Herrn, melde den Herzog. Zürnet er, iſt nicht unſer die Schuld. Ich kann Niemanden ſehen; ich muß zur Ruhe nach dieſen Stürmen. Empfanget Ihr ihn, Ewald, bereitet ihn vor, führet ihn ein. Ihr habt meine Gedanken ver⸗ wirrt, mein Gemüth zerſtört, machet gut, was Ihr ver⸗ ſchuldet.
Von dem Freunde unterſtützt, wankte ſie nach ihrem Gemach, indeſſen der greiſe Schloßvogt die Wendelſteige hinabſtolperte, den vornehmen Gäſten ſein altes Eichen⸗ thor aufzuſchließen.


