37
die mir im Leben begegneten, wohl wollte, Du haſt die ſchwerſte Stunde meines Lebens herauf beſchworen. Gott verzeihe Dir! Wäre dunkele Nacht um uns, den⸗ noch würde ich mit Beben und Zagen ausſprechen, was ich Dir ſprechen muß, um Deinen Wohnwitz zu bändi⸗ gen. Bricht meine Seele im wilden Schmerz den ſchwa⸗ chen Leib zuſammen, wenn ich in Worte zu formen ge⸗ wagt, was dem Grabe verfallen iſt, und was kein Ohr auf Erden hören ſollte, da die überirdiſchen Mächte es gnädig ſelbſt verhüllt mit dem Mantel der Zeit, ſo iſt Dein die Schuld; aber auch dann verzeihe ich Dir, denn wie ein ungeſtümer Schatzgräber erlöſeſt Du dann den gebannten, unglücklichen Geiſt, und findeſt nur Moder und Staub, wo Du Gold und Demanten ſuchteſt. So höre denn.—
Ibre Knie ſchwankten, ſie ſetzte ſich und ſtützte das ſchöne Haupt mit dem Arme, die großen Augen halb mit den langen Wimpern bedeckend. Ich bin nicht— begann ſie ſcheu; da ſchmetterte ein greller Trompetenſtoß drau⸗ ßen, und wieder einer und wieder, und ein wüſtes Hal⸗ loh von tiefen Mägnnerſtimmen ſchallte in der Nähe.
Klotilde ſchrack verſtummend zuſammen, und konnte nur den Ausruf: Kriegsvolk! Plünderung! hervorſtoßen. Ewald flog zu der Erblichenen, ſtützte ior finkendes Haupt und ſprach raſch und mit kräftigem Männertone: Zage nicht, Weib meiner Seele! Nur über meinen Leichnam dringt ein Feind bis zu Dir. Ueberdem habe ich in mei⸗ ner Brieftaſche Schutzbriefe jeden Commandeur des kaiſerlichen Heeres.—
Du kennſt das nicht, die Beängſtete. O ich habe ſechs Wochen hindurch im Burgverließ verſteckt ge⸗ lebt, gefüttert durch den getreuen Knecht, als die Pappen⸗


