emſig jedes Gedeck, putzt die Teller ab, ſtöbert die Ge⸗
richte durch bis zum Grunde der Schüſſel, und ißt das Brod nur in kleine Brocken getrümmert, aus Sorge eine verſteckte Nadel zu finden.—
Und wie treibt er die langen Nächte hinab? fragte der junge Mann.—
Die Stunden vor Witternacht muſizirt er auf der Liebesgeige, antwortete der Alte; als er noch jung war, galt er ſchon in der Hauptſtadt für einen Meiſter auf der Viola. Nach der Tafel muß die Frau vom Hauſe mit ihm im Damenbrett ſpielen, aber mit bunten feinen Figürchen, die ſie Steine und Könige und Bauern nen⸗ nen, welches Spiel er als Page von dem Herzog Auguſt zu Braunſchweig erlernt.—
Alſo darf die Dame ſich ihm doch nähern? rief Ewald mit ſichtlichem Argwohne.—
Aber auf welche Weiſe? ſprach lächelnd und kopf⸗ ſchüttelnd Nepomuk. Ach! Fräulein Klotilde iſt ein Muſter von Geduld, und vergilt in Dankbarkeit reich⸗ lich, was der Freiherr für das Waiſenkind gethan; keine andere Frauensperſon würde ſich in ſolche Grillen fügen. Denkt nur, Junker: des Herrn Zimmer iſt ge⸗ theilt durch eine Tournierſchranke oder wie ein Krämer⸗ laden, und Niemand darf dieſe Grenze überſchreiten. Mitten in dem Scheidegitter iſt der Tiſch befeſtigt, an welchem bei der Mahlzeit oder bei dem Spiele er drü⸗
ben, ſie diesſeits Platz nimmt, und dennoch tönet jeden Abend, wenn ſie eintritt, zuerſt die Angſtfrage an ſie: du haſt doch keine Stecknadel an dir, Klotilde? und fällt etwas zur Erde, ſo ruht er nicht, bis ſie es auf⸗ gehoben und dem Argwöhniſchen gezeigt, daß es keine Nadel geweſen. Sie hat auch alle ihre Kleidungsſtücke


