der Reiſe plötzlich verſchwunden, entführt oder vom Kriegs⸗
volke geraubt worden. Sie ward baldigſt vergeſſen, nur ich konnte die Erinnerung an den kleinen Engel nicht vertilgen, obgleich ich, wenn ich bei dem Herrn einmal von der Verſchollenen ein Wort fallen ließ, kurz und hart abgefertigt wurde.—
Ewald drückte, trotz ſeiner hochgeſpannten Aufmerk⸗ ſamkeit, dem Alten heftig die rauhe Hand, da er aber kein Wort zu dem Liebeszeichen hinzufügte, ſo fuhr der Erzähler nach kurzem Verſchnaufen fort.
Etwa vier Jahre mochten verlaufen ſein, da verſetzte mich der Herr plötzlich aus meinem Dienſte auf dieſes alte Familienhaus, das verfallen und unbewohnt mitten in den dichten Holzungen lag, und früherhin von einem greiſen Forſtmanne bewacht worden. Er nannte es einen Lohn für lange Treue, ich ſah es für eine Verweiſung an, da meine Dienſte und meine Figur nicht meßr paß⸗ ten für das große Leben der Familie im Stadtpalaſte; doch fiel es mir wunderſam auf, daß ich dem Herrn ein feierliches Verſprechen leiſten mußte, Alles, was künftig in meinem neuen Wohnſitze vorgehen möchte, treng zu verſchweigen. Wenige Monate nachher erfuhr ich den Grund; denn eines Abends kam eine Reiſekaleſche den Hohlweg herauf gepoltert, und als ich das Thor öffnete, ſtieg Fräulein Klotilde und die alte Erica heraus, die Kammerfrau, welche Ihr kennt, und die jetzt faſt für beſtändig vom Zipperlein in den Faulſtuhl gebannet iſt.
Fräulein Klotilde war recht groß und ſchlank gewer⸗ den, erſchien mir ſchöner, verklärter, obgleich ihre Jo⸗ ſenwangen recht bleich ließen, und die finſtere Schwir⸗ muth das große Augenpaar verdüſterte. Ich ſtand vie ein Steinbild da, als ſie mir mit Thränen in den Auzen


