Teil eines Werkes 
11 (1843)
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melodienreichſten Klagetönen fuhr er hinüber in grelle, herzzerſchneidende Diſſonanzen und löſete dieſe kunſtgerecht wiederum auf in das ſtürmendſte Preſto. Nur ein zer⸗ riſſenes Herz, ein gefoltertes Gemüth konnte ſolche Phan⸗ taſien in die Saiten werfen, und nur ein harter, kalter Geiſt ſie durchführen, ohne in dem Wellenſturm, den er erregt, ſelbſt zu vergehen. Ewald warf das Fenſter zu und ſich in tiefer Erſchütterung auf das Ruhebett; der unſichtbare Geiger kam ihm vor wie ein hämiſcher Dä⸗ mon, der mitten in ſein Herz geſchaut, und ihm zum Dohn nachgefiedelt, was er dort gefunden.

Eine lange, unruhige Folternacht ging zu Ende, und mit dem erſten winterlichen Tageslichte verließ der Ma⸗ ler ſein Lager, auf dem er früher ſo ſüß geſchlafen, und welches ihm dieſes Mal härter als ein Lazaronenbett ge⸗ däucht. Er horchte lange, ob ſich ſchon Leben im Schloſſe zeige, doch vergebens; er trat ans Fenſter, der innere Hof war leer und todt, als ſei das Schloß ausgeſtorben mit Mann und Maus ſeit letzter Mitternacht. Aus ſei⸗ nem Mantelſacke zog er eine Leinenrolle hervor und wickelte ſie los, es war Klotildens Bild, das er nach einem Ent⸗ wurfe in der Ferne mit größeſtem Fleiße und mit allem beſtehenden Farbenſchmelz der Schule Guido Reni's aus⸗ geführt. Mit Nadeln befeſtigte er das Bild an die Wand, rückte ſeinen Seſſel davor, und ließ ſeine Augen lang ſich weiden an den geliebten Zügen. Ein feſter Entſchluß gebar ſich in dieſer Betrachtung aus ſeiner Seele. Die Räthſelnacht mußte noch heute durchriſſen ſein, ſchwin⸗ den mußte die unerträgliche Ungewißheit, die ihn und ſeine ganze Weſenheit zu zerſtören drohete. Er packte