war der Charakter ſeiner Mußik.
Sagtet Ihr mir nicht, Ihr wäret eine Wittfrau und hier
die Herrin?—
Klotilde lächelte ſichtlich gezwungen. Wittfrau und nicht, ſagte ſie mit ſcharfem Accent. Dem ruhigern Freunde öffnet ſich vielleicht die Pandora⸗Büchſe; der ſtürmiſche, drängende Mann könnte das Urtheil heraus⸗ laſſen, gäbe man ihm das verhängnißvolle Gefäß in die Hände. Stärket Euch und ſchlaft ſanft unter dieſem Dache. Nepomuk wird Euch das Zimmer aufſchließen, wo Ihr einſt in Fieberträumen zum liebenswerthen Dich⸗ ter wurdet.—
Sie reichte ihm die weiße Hand, er küßte ſie ver⸗ wirrt und beſchämt, grollend und reuig zugleich; aber als ſie gegangen, verſank er in tieffinnige, trübe Ge⸗ danken, hörte nicht auf das treuherzige Geſchwätz des Alten, koſtete kaum von der Schüſſel, nippte nur von dem Becher, und ließ ſich dann zu ſeinem Zimmer füh⸗ ren, wo er gleich einem Nachtwandler mit ſtarren Au⸗ gen, ſtumm und ohne ſeiner Gedanken bewußt zu ſein, lange auf dem Ruhebette ſaß. Eine ſeltſame Muſik rief ihn wach, er trat zum Fenſter und ſtieß den Flügel auf, durch die ſcharf einſtrömende Nachtluft Erquickung zu finden. Seltſam bewegt fuhr er zurück. Der Flügel des Schloſſes, der ehedem unbewohnt und verſchloſſen gweſen, erſchien hell erleuchtet, und an den großen, buntbemalten Fenſtern ſah er dunkele Geſtalten ſich hin und her bewegen, unter denen er auch die Dame ſeiner Liebe zu erkennen vermeinte. Die Muſik dauerte fort, es war eine einzelne Geige, aber der Spielmann ſchien ein Meiſter, und ſeine Virtuoſität gefiel ſich in den ſchwerſten Sätzen und Sprüngen, doch auffallender noch Von den weichſten,


