17 mit gieriger Luſt. Hinein warf ich mich, keck und heiß wie in ein Brautbett, mein Arm theilte die Flut, ich erfaßte ihr Kleid, ich riß ſie zur Sandbank, ich trug ſie an meiner Bruſt zum Lande, aber ſie dankte mir nicht, eine Todesbraut küßte ich, und der Heiligungsbecher zer⸗ ſprang in Scherben dicht vor meinen Lippen.—
Haltet ein! rief Klotilde, Ihr erzählt zu ſchauer⸗ lich.—
Ewald ſah ſie mit düſtern Blicken an, in deren Tiefe ein unheimliches Feuer glimmte. Gott hatte die Un⸗ treue geſtraft, ehe ſie vollendet, fuhr er langſam und eintönig fort. Ein armes, unſchuldiges Weſen mußte um meiner Untreue willen zu Grunde geben. Da faßte mich's wie mit Geiſterkrallen und riß mich fort aus dem Süden, und trieb mich durch das Eis der Alpen und die Schneetiefen der Gletſcherthäler zurück zum Nord⸗ lande, wo ich meine Treue verpfändet und mein See⸗ lenleben eingeſetzt. Und, Klotilde, keine Erdengewalt, ſelbſt nicht Euer Fluch treibt mich aufs Neue von hin⸗ nen; ein Grab unter Euren Buchen werdet Ihr ja dem Freunde gönnen und eine Scheideſtunde von Eurem Thrä⸗ nenauge geheiligt.—
Klotilde wollte antworten, da erſchien der alte Ne⸗ pomuk mit Schüſſel und Becher und deckte das Damaſt⸗ leinen über den runden Tiſch.
Nur einen Teller? fragte Ewald verwundert. Wird die Wirthin nicht mit dem Gaſte ſpeiſen und ihm den Trunk kredenzen 2—
Die Nacht iſt eingebrochen, antwortete die Edelfrau derſtreut, meine Pflicht ruft mich von Euch, denn der Schloßherr bedarf mein.—
Der Schloßherr? fuhr der junge Mann empor. Blumenhagen. XI. 2


