Teil eines Werkes 
11 (1843)
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Möget Ihr ſelbſt berühren, was Ihr ſo ſtreng ver⸗ pöntet? fragte er bitter. Aber mein Herz iſt Euch ein offener Schrein geweſen in den Tagen meines erſten Glücks, ſo ſoll auch jetzt das ſchwarze Tuch Euch ge⸗ lüftet ſein, mit dem ich es ſeitdem verdeckte. Ja, ich geſtehe es, mein Vorſatz war, das weibliche Weſen zu vergeſſen, das mich zuerſt Lieben gelehrt, und als die Glut zu Tage brach, welche ihre Liebenswürdigkeit angefacht, mich herzlos verdammte. Aber der Vorſatz war leichter gefaßt als vollendet. Ueberall begegnete mir meine erſte Liebe. In den leuchtenden Zirkeln der Nobeln Venedigs ſah ich die vornehmſte Dame des gol⸗ denen Buchs ihr ähneln, doch ſie nicht erreichen; in der Maske, welche im Karnaval zu Rom auf der Piazza Novana die meiſten Neugierigen nach ſich zog in Be⸗ wunderung ihres junoniſchen Wuchſes und ihrer ſittig⸗ prunkvollen Tracht, ſuchte meine Phantaſie ſie ſelbſt; und flüchtete ich zum Heilquell der Andacht im Sanct Peter oder zum Lateran, ſo ſtieg ſie von den Wänden und Decken herab als Madonna oder heilige Eliſabeth. Sie auszutilgen aus Herz und Gehirn war unmöglich. Da erblickte ich eines Tages eine jugendliche Frauenge⸗ ſtalt hoch zu Roß; wie eine Königstochter flog ſie ihrem

Geleite voraus; weit nach flatterte das ſchwarze Kleid, und der Federhut beſchattete reine, edle Züge, wie ſie meiner erſten Liebe geleuchtet. Stolz trug ſie der Schim⸗ mel an mir vorüber, und ich fühlte mein Herz wunder⸗ ſam bewegt, da ſtutzte das neapolitaniſche Feuerthier, hob ſich, kühn ſtrafte ſie mit Gert und Zügel, wild flog das Roß am Ufer des Stromes den ſchmalen Fußpfad entlang; jetzt glitt ſein Huf und hinab fürzte Königs⸗ kind und Bucephalus, und die grüne Welle bedeckte beide