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bald vertreiben.— Ihr meinet es gut, ſetzte ſie leiſer und ſchüchtern hinzu, doch müßt Ihr nicht zürnen ob der Ungehorſamen. Hier nur kann ich glücklich ſein; darum laßt mich bleiben, bis der Franzel eine wackere Hausfrau heimgeholt, und dann will ich ziehen nach Vent hinauf und dort beten am Steinkreuz, das man den Verſchütteten erbaut, bis auch ich erlöſet bin. Glaubet mir, ich bin zufrieden, und dieſes Haus iſt nicht leer für mich; in der Kammer, im Sorgenſtuhl, am Fenſterbalken, allent⸗ halben habe ich liebe Geſellſchaft.—
Agnes, Agnes, horchſt Du nicht? jubilirte da der Knabe. Hörſt Du nicht den luſtigen Sang? Das ſind ſicherlich Zillerthaler Leut.—
Und außen erklang eine tiefe, reine Stimme, und ſang in leichter Melodie:
Mein Diendle ſein Herz Das iſt nicht z' ergründen, Könnt'ſt eher einen Kreuzer Im Achenſee finden.
Je höher der Kirchthurm Wie ſchöner das G'läut'; Und je weiter zum Diendl Je baß das mich freut.
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Die Jungfrau horchte nachfinnend, der Pfleger aber ſprach lächelnd: Oetzthaler Robler ſind das nicht, denn die Oetzthaler find die Spartaner Tirols, ſie haſſen Ge⸗ ſang und Muſica, und lieben nur Stutzen und Knittel. Dem Sänger dort iſt die geſunde Kehle noch nicht ein⸗ gefroren, und es wäre wohl gaſtlich, ihn zum warmen Ofen zu laden.—
Er ſchritt zum Fenſter, zu deſſen kleinen in Blei ge⸗ ſaßten Scheiben die Reugier ſchon den Knaben getrieben,
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