Nacken, und ihre Blicke glüheten in einander, und Zucht und Ort vergeſſend, ſanken ihre Lippen auf einander. Ein ſonderbarer Schall, wie ein kurzes Hohngelächter klingend, warf ſie doch ſogleich wieder aus einander, und als Beide ſich zur Pforte wandten, verſchwand ge⸗ rade des Malers Geſtalt auf der Vortreppe.
Vergaßeſt Du den Fremden? ſagte ſchämig und vor⸗ wurfsvoll die ſchöne Beatrix.— Es war Freund Erich, entgegnete raſch der betroffene Mann.— Doch warum ſein Lachen? fragte die Jungfrau mit düſterm Auge.— Das war er nicht, das konnte er nicht ſein! ſprach Sutel mit einiger Heftigkeit. Das ſchallte von der Straße herein. Sittig entfernte er ſich mit Haſt und Zartgefühl, weil er einen Blick, den erſten, in des brüderlichen Freun⸗ des Geheimniß gethan. Aber warum jetzt an Fremdes denken? Du lebſt, Du biſt unbeſchädigt, die Vorſicht erhielt Dich mir. Wären wir vor hundert Jahren gebo⸗ ren, müßte ich dafür eine Wallfahrt nach der heiligen Stadt geloben; ſo will ich aber dankbar all mein ge⸗ ringes Gut den Armen vertheilen, die heute ihre Habe eingebüßt.—
Doch Du bluteſt im Geſicht? fuyr erſchrocken das Mädchen ihn an.—
Sorge nicht, nur ein Fall auf dem Wege hieher, trö⸗ ſtete der Bildhauer. Aber warum ſeh'ich den Vater nicht?—
Böſe Tochter, antwortete Beatrir, die um Dich des Kranken vergaß! Er wollte hinüber zum ehrwürdigen Herrn Walter, als das Unglück geſchehen; da ſchoß ein Theil des Kirchdaches noch nach, und wundete ihn ſchwer am Haupte. Der Stadtbader iſt da und hat ihm Ader geſchlagen, und ich ſoll für Leinewand ſorgen zum Ver⸗ bande, und das ſündige Herz hält mich auf bei Dir.—


