Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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Sonne, als wollle ſie uns ſchelten wegen der winterlichen Mäntel! kein Windzug rührt ſich, und die einzelnen, grotesken Wolkenmaſſen dort in Nord und Weſt bewegen ſich kaum, und gleichen rieſigen Schiffen, die lavirend von den Wellen nur leicht geſchaukelt werden. Die Natur iſt noch nicht berührt worden von der Knochenhand des alten, grämlichen Gatten, dem ein unwillkommener Zwang ſie entgegenführt. Schau hin, wie die Winter⸗ ſaat die Aecker mit hellem Teppich überzieht, wie ſelbſt die Holzungen noch ihren Blätterſchmuck tragen, der durch ſein gelb und rothes Farbenſpiel, von fern ange⸗ ſehen, den Frucht und Blütengärten der Campagna äh⸗ nelt. Wir haben wahrlich einen italiſchen Wintertag, und mir iſt, als hauchte ſelbſt die Schwüle eines Sirv⸗ co's mich an im Bergſteigen, und all meine ſchönſten Erinnerungen treiben aus den entlaubten Aeſten der Ver⸗ gangenheit junge Knoſpen und duftige Blüten zugleich.

Es war die Maienzeit unſeres Lebens! entgegnete Erich, ſinnend in die Fluren hinabſchauend; heitere Zu⸗ friedenheit wohnte im Gemüth, edle Beſchäftigung ſtärkte den Geiſt, Freiheit ſchwang über uns ihr Panier, wir fühlten uns groß in den großen Umgebungen. Wenn die gemeine Winzerin, der die Natur die Geſtalt einer Artemis gegeben, und deren freie, antike Tracht keine Schönheitsform verhüllt ließ, uns den Becher kredenzte, wenn die junoniſche Römerin, ohne Krone eine geborene Königin, uns im erſten Feſttanze, die Fremden ehrend, den Granatblütenkranz auf den Scheitel legte, daß wir die rothen Feuerblumen dis in das Herz hinab glühen fühlten, o da fiel das Alltagskleid und mit ihm die All⸗ tagslaſt des Lebens von unſern Schultern, da waren wir Könige, nicht des Feſtes allein, ſondern Könige des