Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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einer Leinwand, oder die Zuthat eines Gerichts, dann könnte der Jungfrau ein Urtheil zuſtehen, und ſie würde ſich's vielleicht ſelbſt nehmen, im Stolz auf ihre Kennt⸗ niß; aber Kunſt und Wiſſenſchaft iſt Erbgut der Männer, und jede Frau, die ſich hineinmiſcht, thut ſich ſelbſt ein Leides an, denn ſie wirft einen Kranz von Immergrün weg, um einen Strauß von bunten Tulipanen an ihre Bruſt zu heften, der weder ſchön ſteht noch lange hält, und die etwas handfeſte und nicht immer zarte Geſell⸗ ſchaft, in welche ſie tritt, macht es meiſtens gar bald mit ihr, wie die Krähen mit der Dohle in der alten Fabel, der man mit den fremden auch die eigenen Federn ausrupfte, und die man ihren Hochmuth gar garſtig büßen ließ.

Ihr ſeid der Kunſt nicht fremd, Antonia, erwiderte Erich mit Eifer. Und darum paßte die Fabel keines⸗ wegs auf Euch. Ja, Ihr habt ſogar eine Meiſterſchaft in der lieblichſten der Künſte gewonnen, in der Muſika, die geachtet iſt bei Hoch und Gering, bei Kaiſer und Bauer, weil ſie zu Jedermann ſpricht, und Jedermann verſtändlich iſt. Daß ich Eurer Harfe ſammt den zarten Fingern, welche ihr die Sprache der Seelen und der Empfindungen zu entlocken wiſſen, auf meiner Leinwand huldigte, war nur ein kleines Zeugniß meiner Dankbar⸗ keit; denn wahrlich nur dann, wenn ich Euch zugehört, wenn Ihr ein weiches Wehmuthslied, oder einen frommen Choral geſpielt, ging ich mit friſcher Luſt zur Staffelei, und war ſicher, daß ſich die todten Farben auf meiner Palette verlebendigten unter dem kühnen Pinſelſtrich. Und gar oft habe ich gehört, daß die Poeten während einer trefflichen Muſik die berühmteſten ihrer Karmina gefertigt, und habe nun ſelbſt an mir die Erfahrung