Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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Das Mißtrauen aller Mitbürger hat er auf ſich gezogen; er treibt Verkehr mit dem Feinde, der ſeit Jahren das Land ängſtigt und verwüſtet; ſeine Praktiken haben be⸗ wirkt, daß der furchtſame Adel und Senat nachgab, als unter Tilly's Schutz die Mönche, auf des Kaiſers Edikt ſich ſtützend, die kalenbergiſchen Klöſter wieder in Beſitz nahmen; und wahrlich, hielten wir ehrlichen Altväter ihm nicht die Stange, hätten längſt ſchon unſere Thore ſich dem kaiſerlichen Kriegsvolke geöffnet, und wir fänden die ſchlimmen Gäſte am Tiſch und im Bett. Hüte Dich, mein Sohn; die Jugend läßt ſich leicht bethören durch Prunkwort und Schmeichelrede; darum vergiß nie, daß der Künſtler nachſtehen muß dem treuen Bürger und dem guten Sohne, und daß vielleicht die nächſte Stunde Dir den zarten Pinſel aus der Hand wirft und das ge⸗ wichtige Bürgerſchwert hineindrückt. Kommt, Freund Sutel, mein Weg führt an Eurem Hauſe vorüber, und da trete ich vor und grüße mir die ehrſame Antonia. Ich bin ein alter Burſch, aber wenn mir die herzige Jungfrau vom Fenſter zugenickt, wird mir es leichter, durch die ftürmiſchen Sitzungen des Raths das Recht und die gute Sache zum Ziele zu ſteuern.

Jeremias folgte freundlich dem alten Herrn; Erich blieb allein zurück mit ſeinem Bilde, das er gedanken⸗ voll betrachtete mit immer mehr ſich verfinſternden Augen, und dann in haſtiger Bewegung wieder verhing, indem er zugleich den Fortgehenden einen Blick nachſandte, in deſſen Blitz ſich die Wetterſchwüle ſeiner Seele zu ent⸗ laden ſchien.

Im Unterſchoß des netten Häuschens ihres Bruders ſaß Antonia Sutel, und nahm die zerſprungenen Saiten