Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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ſpotten dürfen. Aber der Herr Collega ſind ſchon im ſeidenen Mantel und Spitzenkragen, und das mahnt mich, auch mein Rathskleid anzulegen, um zu gehöriger Stunde der Sitzung beizuwohnen. Auf Wiederſehen, Freund Erich! Laßt Euch des Herrn Vaters hartes Wort nicht zu Herzen gehen; Männer maskiren gern die Rührung und die Freude unter rauher Decke. Er ergötzt ſich mehr an Euch, als wir Alle. Wollet Ihr mir aber heute eine zweite Freude bereiten, ſo ſeid Abends mein werther Gaſt im Rathskeller; friſcher Seefiſch iſt angekommen und lockerer Eidammer, zu dem ein Fläſch⸗ chen rheiniſchen Weines lieblich ſchmecken wird.

Mit einer Höflichkeit, die mit ſeiner derben Geſtalt wunderlich cpntraſtirte, drückte er Erichs Hand, empfahl ſich ceremoniös dem Kämmerer, und nahm ſeinen Abzug.

Ein böſer Menſch! fuhr der alte Meier auf. Von außen eine kräftige, deutſche Natur, aber innen der gleißende Fuchs! Wie kommſt Du zu der engen Be⸗ kanntſchaft, die mir nicht anſteht?

In Wien nahm er ſich des Landsmannes an, ant⸗ wortete der Maler mit ſichtlicher Verlegenheit; er führte mich ein in die Galerien der Großen, gewann mir Kunſt⸗ gönner unter den reichſten Herrn der reichen Kaiſerſtadt. Soll ich ihm nicht dankbar ſein für dieſe uneigennützigen Dienſtleiſtungen?

Hüte Dich, Erich! ſprach der Kämmerer. Vor drei Jahren verbannte der hochweiſe Senat dieſen Mann aus der Stadt, wegen unpatriotiſcher, rebelliſcher Geſinnun⸗ gen. Nur Herzog Ulrichs Gnadenſpruch rief ihn zurück. Hüte Dich! Der Verführer geht umher wie ein brüllen⸗ der Leu. Dieſer Herr Dietrich Salge hängt nicht an unſerer Stadt, wie es ein getreuer Rathsverwandter ſoll.