Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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und überfüllten Kramläden, der höhern Blüten entbehrt, und darum allen Nachbarſtädten nachſteht. Iſt mir doch, als ſei es eine Schuldigkeit, der Heimath die den Künſt⸗ ler groß gepflegt, auch die ſchönſten Kräfte zu widmen, ihr und ſich ſelbſt zum Ruhm, wie ein getreuer Sohn.

Vaterſtadt? Heimath? ſpöttelte Herr Salge. Seid ihr doch in Nordheim geboren und getauft, wenn ich nicht irre.

Ihr habt Recht, antwortete der Bildhauer mit Auf⸗ wallung, die kleine Stadt war meine Wiege, aber nicht ſchämen darf ich mich ihrer. Wißt Ihr doch ſo gut als ich, wie dieſe von Euch beſpöttelten Nordheimer erſt kürzlich Tilly's ſieggewohnte Soldateska abgeſchlagen, denen das mächtigere Göttingen nicht widerſtanden. Wißt Ihr doch, daß, wie ſie endlich, durch Hunger gezwungen, die Ka⸗ pitulation angenommen, der tapfere Graf Fürſtenberg ſie abziehen ließ mit Feldmuſik und fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde und brennende Lunten in der Hand, und dazu ſie brave Krieger nannte, die verdient, unter dem kaiſerlichen Adler zu fechten. Aber trotz dem nenne ich Hannover meine Vaterſtadt. War es nicht hier, wo der ehrenwehrte Vorſtand und Altermann der Kaufmann⸗ Innung, der wohlthätige Herr Melchior Vasmar den zerlumpten Bettelbuben von der Straße in ſein Haus nahm, mich kleidete, mich pflegte, mich zur Schule hielt, und mir der rechte Vater wurde? War es nicht hier⸗ wo ich durch Fleiß und ſtrenge Arbeit vom Lernenden zum Lehrer der Stadtſchule hinaufſtieg? War es nicht

hier, wo der Vater Vasmar, meine Sehnſucht erkennend,* mich auf's Höchſte beglückte, als er mir Erlaubniß gab,

die herrliche Italia ſelbſt zu ſehen, und das geheim gepflegte Talent dort auszubilden? Und war es nicht

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