Und Ihr ſagt nichts, Meiſter Sutel? fiel ihm der ſich aufblähende Architekt in das wohlaufgenommene Wort. Es macht doch nicht der Neid Euch verſtummen? Frei⸗ lich mangelt den Gebilden Eurer Kunſt das beſtechende Regenbogenſpiel des gebrochenen Lichtſtrahls, das Kolorit, der Glanz des Karmins und der Metalle, die Inkarnation und die Seele des Auges. Weiß und todt ſtehen Eure Statuen da, und geben nür Umriſſe des Menſchenbildes, und bleiben kalt vor dem Beſchauer, gleich gefrorenen Leichen. Es iſt zu verwundern, wie Ihr nicht auch Maler geworden, gleich dem Freunde, da Euch doch auch die warme Sonne Italiens beſchienen hat.—
Ein Lächeln verlieblichte noch das Antlitz des Bild⸗ hauers. Kennet ihr die Fabel vom Pygmalion, verehrter Herr? fragte er ſanft. Seine Statue ward lebendig, als er liebend und betend kniete vor dem eigenen Werke. Aber man muß ein Phgmalion ſein, um in das Auge des Marmors aus dem eigenen Auge den lebendigen Geiſt hinüber zu ſtrömen.— Erich! ſetzte er dann wär⸗ mer hinzu, und ergriff aufſtehend mit innerer Bewegung des Freundes Hand, Deine Seele war in Deinen Fingern, indem Du den Pinſel führteſt zu dieſem Bilde. Du haſt die Wahrheit der römiſchen Schule, die Keckheit der Florentiniſchen, mit der Anmuth und dem Reichthume der Bologneſiſchen Schule wunderbar zu verſchmelzen gewußt. O ſtänden unſer ſchwärmeriſcher Caracci, und der ſtrenge Domenichino und der weiche Guido hier, wie ich, ſie würden Dich herzen als ihren trefflichſten Schüler. Doch das Seltſamſte dabei iſt, daß mir es vorkommt, als wäre dieſes Bild nicht Dein, ſondern mein Werk, als hätteſt Du es geſchöpft aus den Tiefen meiner Phan⸗ tafie, als wäre dieſe Heilige aus meinen Träumen zu


