Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

B

Bogen um die Hauptfigur, lächelten aus dem Wolken⸗ kranze herunter und drängten ſich, wie neugierig lau⸗ ſchend, durch die Zweige des Roſenſtrauchs. Auf des Malers Antlitz malte ſich ein ſtolzer, unverſchleierter Triumph, je länger ſein dunkles Auge am eigenen Werke hing. Der junge Bildhauer ſchien ſeltſam überraſcht; wie die Schamröthe einer Jungfrau, die man im Nacht⸗ kleide ertappt, ſtieg ein hohes Roth über ſein Geſicht bis zur Stirn hinan, und auch ſeine lichtblauen Augen leuchteten heller; doch die Blicke zuckten hin und her auf dem Bilde, wie in Scheu und Ungewißheit; der Bauherr Salge ſtarrte mit weitaufgeriſſenen Augenliedern, und mit grinſender Freundlichkeit auf den breiten Wangen, lachte er laut auf und ſchlug beide Hände mehrmals klatſchend zuſammen, ſo daß der Maler ſich faſt erſchreckt zu ihm drehete, unſicher, ob er Spott oder Beifall in dem derben Benehmen ſuchen ſollte.

Bravo! Braviſſimo! überſetzte jedoch ſchnell Herr Dietrich ſeine Action. Freundchen, das iſt ein Meiſter⸗ ſtück, wie es die ganze Hildeſia nicht aufzuweiſen hat. Das iſt ein wahrer Leckerbiſſen für den Kunſtgeſchmack des hochwürdigſten Herrn, und ich verſpreche Euch zum voraus, die breitſten Hände des derbſten Grobſchmieds unſerer Stadt werden die blanken Goldgülden nicht faſſen können, welche der Beſteller dafür mit Freuden zahlen wird.

Seid Ihr zufrieden? fragte mit Eitelkeit der Maler. Euer Urtheil gilt mir vor Allen, ſetzte er aber ſogleich ſchmeichelnd hinzu, denn Ihr ſeid ja der Meiſter in der Mutterkunſt, Ihr ſtellt Tempel und Paläſte hin, wir

bringen nur den einzelnen, geringen Schmuck zu Euren

gigantiſchen Himmelsbauten.