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Fürſten und ungariſche Magnaten ſich herabließen zu dem jungen Künſtler, und er der feinen, geſelligen Rede gewohnt wurde,— und doch biſt Du mir weit voraus in den Farbenmiſchungen und Schattirungen der Sprache, und ich habe ſchon oft Dich darum beneidet. Vielleicht darf ich es ein ſeltenes Glück nennen, daß gerade Du mein Buſenfreund wurdeſt, der Du beides verſtehſt, den groben, harten Stein warm und weich zu machen unter Deinem Meißel, und das Menſchenherz durch den ſanften Hauch der Lippen zu beſtechen und zu gewinnen; vielleicht bedarf ich Dein als Dollmetſcher, wenn mir einmal die Sprache gefriert im Augenblicke der Entſcheidung. Und deßhalb ſoll nun keinen Augenblick länger meine geheime Arbeit Dir verborgen bleiben, mag auch Dein Tadel meine ſchönſten Hoffnungen trüben und zu Schanden machen.—
Und ſo trat der Maler mit Heftigkeit wieder zu der Staffelei, riß in einem Zuge den Vorhang fort, und enthüllte das in dem glänzendſten Farbenſpiele ſtrahlende, große Bild.
Eine tiefe Stille trat ein; alle drei Anweſende hatten die Augen ſtarr auf den erſchienenen Gegenſtand geheftet, ſichtlich alle drei in verſchiedenen Empfindungen. Das Gemälde ſtellte die heilige Cäcilia dar. In einem voll⸗ blühenden Roſengebüſch kniete die Jungfrau, ihre goldene Harfe im Arm, ſelbſt die üppigſte und reichſte Blume des Gartens. Das runde, tiefblaue Augenpaar hob ſich zum Himmel in ſeligſter Entzückung; dunkle, ſchwere Locken ringelten ſich um den Liliennacken; die halbent⸗ blößte Bruſt ſchien ſich, gepreßt vom innern Herzſchlage, zu heben; die feinen Finger rührten die Saiten, und eine Menge zarter Engelsköpfe bildeten einen lebendigen
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