—
5
gelungene Ganze zu beſchatten verſucht. Der wackere, beſcheidene Künſtler weiß recht gut, ob er hingeſtellt, was er gewollt, was ihm in ſeiner innerſten Seele vor⸗ geſchwebt; aber wenn ihm auch der Vorwurf gelungen, ihm die fertige Arbeit genügt, ſo ſchmiegt ſich doch an die Freude des letzten Pinſelſtrichs oder Meißelſchlages ſogleich die böſe Furcht vor dem fremden Blicke des erſten Beſchauers, denn wie Gott nicht ein Auge ſchuf wie das andere, ſo legte er auch in den Menſchenſinn ver⸗ ſchiedenen Geſchmack in Sachen der Kunſt, und daß der Künſtler ſeine Arbeiten für die fremde Welt fertigen muß, daß die fremde Hand allein ihm den Lorbeer zur Krone beugen kann, das eben iſt der Dorn an ſeiner Roſe, obgleich ohne dieſen Dorn der ſtachelnde Sporn zum Höchſten in der Kunſt ihm mangeln würde.—
Der ijunge Maler trat raſch von ſeinem Bilde zu dem Sprechenden, beugte ſich zu ihm mit Haſt hinab, und umfaßte ihn mit Feuer und drückte ſeinen Mund feſt auf die freie, glatte Stirn des Freundes, ſo daß ſein dunkles, krauſes Haar ſich mit den langen, ſeidenblonden Locken des Bildhauers zu vermiſchen ſchien, und Erichs bräunliche Wange neben dem hellern Geſichte des andern, das ohne den kleinen Stutz⸗ und Lippenbart faſt jung⸗ fräulich hätte genannt werden können, in der ſchönen Erleuchtung einen ſchönen Contkaſt bildete.
Ja, Du verſtehſt mein Herz ſo jetzt wie immer, ſagte er bewegt, und es däucht mir oft wunderbar, wie Du zu jedem Gefühle ſogleich den Ton und das Wort zu finden vermagſt. Miedeſt Du doch in der herrlichen Roma und dem galanten Florenz jede Geſellſchaft der lebendigen, an Wort und Mienenſpiel ſo reichen Italiener, wareſt nicht, wie ich, in dem magnifiken Wien, wo deutſche


