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Alſo ſprach der Stadtbauherr Dietrich Salge zu einem jungen Manne, der mitten in dem Zimmer eine große Staffelei hin⸗ und herrückte, und mit hochgeröthetem Geſichte den Fall des Lichtes auf den Teppich, der die⸗ ſelbe verhüllte, zu meſſen und abzuwägen ſchien. Faſt ungeduldig rückte Herr Dietrich dabei ſeine etwas derbe, breitſchulterige Figur auf dem Lehnſeſſel hin und her, und warf am Schluſſe der Anrede aus ſeinen vorliegen⸗ den, ſtieren Augen einen ſonderbaren und faſt zweideu⸗ tigen Blick auf den ebenfalls jugendlichen Nachbar, den Bildhauer Sutel, der ſich ruhig auf den Schemel des Malers niedergelaſſen und, mit einem angenehmen Lächeln auf dem feinen, faſt weiblich ſchönen Antlitze, dem Trei⸗ ben des Freundes geduldig zugeſehen.
Zähmet Eure Ungeduld, verehrter Herr Senator, und ſtöret meinen Erich nicht! fiel der Bildhauer ihm ins Wort. Auch ich kenne die liebe Unruhe, welche in dieſem
Augenblicke in unſeres Freundes Buſen ſtürmt, und ſein
Herz auf⸗ und niederwogen macht, gerade ſo wie ein unzuverläſſiges Meer mit dem Boote eines einſamen Fiſchers ſpielt. Glaubt mir, nur ein Künſtler kann die Empfindung nachempfinden, welche den Meiſter ergreift, wenn er zum erſten Male ein vollendetes Werk, das Kind ſeiner ſchönſten, liebſten und geheimſten Stunden, fremden Augen preisgeben ſoll. Es iſt das ein gar ſchwerer Augenblick, der die feinſten Nerven anſpannt und fieberhaft zittern macht. Es iſt, als beginge man eine Sünde an dem Gebilde ſelbſt, mit dem man lange im heimlichſten Glücke gebuhlt, und das man jetzt un⸗ dankbar hinausſtoßen will unter eine fremde Welt, die ſeinen innerſten Werth nicht kennt, und vielleicht mit hämiſcher Krittelei durch den Tadel kleiner Gebrechen das


