Teil eines Werkes 
10 (1843)
Entstehung
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Macht ein Ende, Freundchen, und foltert unſere Neubegier nicht länger! Die Novemberſonne ſtrahlet durch die Scheiben auf Eure Staffelei ſo klar und in ſo ungewöhnlicher Freundlichkeit, als wolle auch ſie ſich erfreuen an Eurem Meiſterwerke; und warum bedarf's überhaupt ſo vieler Vorbereitungen vor uns Zweien, da die gute Stadt Hannover nicht noch ein ſolches paar Leute aufzuweiſen hat, die Euch mit ſo beſonderer Nei⸗ gung zugethan. Zieht nur immer die blaue Decke fort; in mir wißt Ihr ja keinen neidiſchen Kunſtrichter oder geizigen Feilſcher für Eure Arbeit, aber einen Mann, der, durch die Bande der Wechſelachtung mit Euch ver⸗ bunden, gern Euer Glück fördern möchte; und hier, unſer trefflicher Meiſter Jeremias, iſt zwar ein Kunſt⸗ verwandter und darum vielleicht ein ſtrenger Richter, jedoch nennt Euch die Stadt nur die Zwillinge Kaſtor und Pollur, die am Himmel zugleich auf⸗ und nieder⸗ ſteigen, und ſo viel ich von Euch geſehen, ſeid Ihr enger verknüpft an Leib und Seele als jenes berühmte Freun⸗ despaar, der Damon und der Pythias, und was der eine erſchaffen, bleibt demnach dem andern als halbes Eigenthum. Darum Muth, Freund Erich! Der Künſtler arbeitet niemals für ſich allein, ſondern für Mit⸗ und Nachwelt, und hat höchſtens das Recht, ein Miniatur⸗ bildchen der Auserwählten im verſchloſſenen Schreine zu bewahren.