23
ich Meiſterſchüſſe, und jeder von euch holt ſich morgen einen gewichtigen Silberpokal zum Andenken von meiner Hausehre. Gerade in das Herz! Ohne Zucken in der Schulter und dem Knie! Bei der nächſten Fehde führt ihr meine Leibſchützen, und ſollt dicht an meiner Seite ſtehen. Bei dem Sankt Autor, ich will euch eine Scheibe zeigen, und wenn ihr dort das Herz nicht fehlt, wie hier, ſo ſollen eure Namen unter den Männern Braunſchweigs glänzen wie der Silbergulden, der eben die Münze ver⸗ ließ, unter ſchmutzigen Kupferhellern.—
Die jungen Schützen beugten ſich ehrfurchtsvoll vor dem geachteten Kriegshelden, und indem ſein Auge mit Liebe auf ihren blühenden Geſichtern verweilte, und er den dunkeln Knebelbart vom freundlichen Munde zum Ohre ſtrich, ſchienen noch mehre der Lobreden auf ſeinen Lippen zu ſchweben, da zupfte ihn eine Frauenhand heftig von hinten her am Arme, und als er ſich umſah, ſtand Frau Juſta Barner mit verſtörtem Aeußern und ängſt⸗ lichen Zügen vor ihm.
Was ſoll es? fragte der rauhe Kriegsheld unwillig, und die glaitgewordene Stirn hatte alle ihre Wetter⸗ ſchatten wieder. Was drängt die Frau ſich zwiſchen den Männertumult?—
Herr, Du mußt ſofortezu dem Groel, entgegnete die bleiche Dame mit ſchüchterner und demüthiger Geberde; es iſt Streit dort, ein beſonderer Fall, Du mußt ent⸗ ſcheiden, und eilig dabei ſein.—
Alfanzereien! ſchalt mürriſch der Angeſprochene. Was kümmert mich das Spiel der Gecken und Milchbärte. Meine Seele iſt hier mit ernſtern Dingen beſchäftigt, vor denen ein Dutzend der Pluderhoſigen die Haſenflucht nehmen würden, wüßten ſie darum.—


