5 dürſtig war er, wie Magnus Torquatus und Wilhelmus
Bellicoſus, den Deutſchland den Sieben⸗Schlachten⸗Ge⸗
winner nannte, ein Glück, welches Heinrich nicht mit ihm theilte; aber auch von dem Edelmuthe Alberts des Großen wohnte Vieles in ſeiner Bruſt, freilich zu oft erſtickt durch die wilde, unbezwingliche Leidenſchaftlichkeit, welche vom Stammvater, dem Löwenherzog, auf die Nachkommen ſeines Hauſes vererbt worden. Leider lebte Herzog Heinrich in einem Zeitalter, wo Deutſchland
einem durch unterirdiſche Vulkane empörten Meere glich,
wo Religionshaß Deutſche mit Deutſchen, Nachbarn mit Nachbarn, ja den Bruder mit dem Bruder, den Vater mit dem Sohn entzweite, wo das Pfand des Glücks, der Hausfriede, entflohen, und das heilige Vertrauen entwichen war, wo Ritterwort und Eid ſelbſt keine Sicherheit gaben, da prieſterlicher Wahnſinn lehrte, daß der Katholik beide dem Ketzer nicht zu halten nöthig habe. Was der Milde und des Friedens bedurfte, um aufzu⸗ ſchießen zu Blüte und Frucht, die Wiedergeburt der Wahrheit, das Werk der Liebe, wurde durch ſeine An⸗ hänger ſelbſt den Männern des Schwertes anvertraut, und was das Leben verſchönern, erleuchten und heiligen ſollte, brachte jetzt Tod und Zerſtörung, und befleckte die reingewaſchenen Altäre mit Blutſtrömen, die der reinen Abſicht des Reformators abſcheulich waren und ſein herr⸗ liches Werk zu vernichten droheten. Zu tilgen war die Glut der Reformation nicht mehr, denn ſie hatte Ein⸗ gang gefunden in dem Hauſe des Bürgers und in der kleinſten Hütte des Landmannes. Sie war, gleich dem unaufhaltbaren fliegenden Strahle des Sonnenlichtes, wunderbar ſchnell vom Süden zum Norden gedrungen, und hatte überall die Beſten erleuchtet und erwärmi.


