Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3 411

Jordan und das Abendmahl prangte in erhabener Arbeit.

Ein hohler Seufzer ſchien aus der Tiefe zu tönen, als

Hermann das Käſtchen hob, und ſo lange er auspackte,

fuhr ein pfeifender Zugwind durch die Felsſpalten. Mit

heimlichem Grauen, und doch zugleich mit andächtigem

Gefühl beſchauete der Rittersmann den beſondern Fund,

deſſen Zuſammenſtellung ſchon bedeutungsvoll erſchien,

wickelte jede der Kleinodien dann behutſam wieder ein

in ihre Hüllen, und packte das Käſtchen in die Tiefe ſei⸗

nes Reiſeſacks; doch kaum war die kurze Arbeit voll⸗

endet, ſo rief ihn ein ſonderbares Gelärm in den Vor⸗ 6 dertheil der Höhle zurück.

Die Mädchen waren aus dem Schlafe geſchreckt worden durch Roſſesſchnauben und eine laute Stimme, die Klage und Unwillen ausſtieß. Zittah war aufgefahren

vom Lager, und die Sprache des jammernden Reiters draußen erkennend, an die Oeffnung der Schlucht ge⸗ ſprungen. Ritter Heinrich von Wenden lag am Quell hingeſunken, blutbedeckt neben ihm ſein abgejagtes, treues Roß, das die letzten Athemzüge im Sande verhauchte.

Welch' ein Wiederſehen! Die Stadt war aufgegangen in Flammen und Rauch; alle Einwohner hatte Nureddins Rache geſchlachtet, nur wenige der lateiniſchen Ritter hatte Schwert und Roß dem allgemeinen Verderben ent⸗ riſſen.

Heinrichs Rüſtung war ein zerbrochen Flickwerk durch Kolbenſchlag und Säbelſtreich; Helmbuſch und Schärpe hingen zerfetzt, das Schwert war nicht weit über dem

3 Griffe zerſplittert, und an allen Fugen leckte der Fleiſch⸗ wunden Blut. Die drei Pilgrimme löſeten ihm die Waf⸗ fen, wuſchen die leichten Wunden und labten ſeine dürre Zunge. Luzia und der Graf dachten dabei oft in ängſt⸗