Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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mein Lebensſeraph und Meſſias, Luzia, widerrufe nicht ſchämig dem Lebenden, was Du dem Todten geſtandeſt ohne Hehl und in glühender Freiheit!—

Dunkler noch geröthet, wie die Päonienblume oder die reife Granate, wandte die Jungfrau das ſchöne Haupt ab, und flüſterte faſt unverſtändlich: So hörtet Ihr wirklich?— So behorchtet Ihr—— 2—

Nicht horchte ich ſchändlich in Dein verſchloſſenes Herz! Offen ſprachſt Du ja mich ſelber an, und nur mein gutes Schickſal war es, das mir ohne Prüfungs⸗ zeit und Fegefeuer den Himmel öffnete. Wird die, welche ihr Herzblut geben wollte für mein Leben, der Liebe Opfer im ſchämigen Geſtändniß mir verweigern?—— Da ſenkte ſie plötzlich entſchloſſen, und wie ſich beſinnend und ſchämend der Verſtellung, die Arme auf ihn nieder, und ihr Geſicht frei zu ihm gewendet, trafen ihre Blicke in die ſeinen, gebend, ſelig und beſeligend; mit dem Antlitze einer Verklärten ſagte ſie leiſe: Das theure Geheimniß gehört ja Dir, wie mir! und ihre üppig geſchwollenen Lippen preßten einen Sekundenkuß auf ſei⸗ nen Mund, der ein ſprechend Siegel war auf den ewi⸗ gen Bundesbrief; dann aber machte ſie raſch ſich los von dem glücklichen Betäubten, ſetzte ſich mit der Mandoline an das fernſte Fenſter, und nachdem ſie nochmals den

ſeelenvollſten Blick auf den Mann des Herzens geſendet,

ſang ſie in die Morgenluft hinaus mit ſchwellender feu⸗ riger Melodie:

In den bunten Blütenhainen Fand im ſchönen Orient Jungfrau Keinen,

Dem ihr Herz entbrennt.

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