Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

384

Glied vermochte ſich zu heben, noch zu regen; ſelbſt die Augenlieder widerſtanden ſchwer und träge dem Willen der erwachenden Seele.

Mehre Stimmen hörte er jetzt dicht neben dem Lager, auf das man ihn hingeſtreckt. Alle trugen bekannte Töne.

Iſt er ohne Hoffnung? Sprich uns die bittere Wahr⸗ heit, Eljakim! fragte die Eine voll Theilnahme. Er erkannte Robertus, den Meiſter des Tempels.—

Das gebe der Gott Abrahams nicht! antwortete eine Zweite im jüdiſchen Dialekte. Iſt auch ſein Zuſtand bedenklich, und viel böſer, als ein warmes Herz dem braven Herrn wünſchen kann, ſo wird und darf mich meine Kunſt hier nicht im Stiche laſſen, damit ich abzahle die große Wechſelſchuld, die der wackere Kriegsmann geſtern für mich in ſeinem Hauptbuche notirt hat.—

Wie fandeſt Du ihn, getreuer Iſraelit? fragte der Tempelherr weiter.—

Mein Engel führte mich an ſein Golgatha; antwor⸗ tete Eljakim. Als der letzte Sturm abgeſchlagen, und beide Theile ausruheten von der erſchrecklichen Blutarbeit, wagte ich mich an die Mauern des Kaſtells, meinem hippokratiſchen Eide getreu, Verwundete zu ſuchen und Strebenden Labung zu reichen. Ach! Gar wenig fand mein guter Wille; alles waren zerſtückelte Menſchen⸗ trümmer unter zerſplittertem Gebälk und zerſprungenem Felsgeſtein. Zwiſchen den grauſigſten Bildern des Todes hörte da mein Ohr ein Aechzen, und mit Entſetzen fand der ihm folgende Blick meinen Retter, meinen Lebens⸗ dämon, dieſen.— Die Stirn war blutig und geſchunden; die linke Hand war morſch gequetſchet. Abrahams Gott ſtärkte mich. Dieſe ſchwachen Arme zogen ihn unter der Balkenlaſt hervor; dieſe gebrechlichen Schultern trugen