Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

372

Kampfe. Neben dem tapfern Emir jammerte laut die

dichtverſchleierte Jungfrau, welche, des ſtillen Frauenge⸗ machs gewohnt, ſo unerwartet plötzlich in alle Schreck⸗ niſſe des Lebens und der Männerwuth geriſſen worden. Die weichen Hände um des Zelters Sammetſattel ge⸗ preßt, drückte ſie die Augenlieder zu; doch das Ohr brachte ihr nur ärgere Schrecken, obgleich ſie nur nach der Befehlsſtimme des Vaters horchte, deren Verſtum⸗ men auch ihr das Zeichen zum Tode ſein mußte. Dicht kreiſeten die treuen Bosnier die gewandten Roſſe um das fürſtliche Paar, hindrängend zum Rande der Furt, die leider der Regen ungangbar gemacht; aber vergeblich war hier Tapferkeit und Opfer, wenn auch der Unſterb⸗ lichkeit beide ſo würdig. Der gelbrothen Wimpel ver⸗ ſchwanden immer mehre; immer weniger wurden der rothen und grünen Mützen, und an ihrer Statt drängten Helme und Pickelhauben näher heran. Wie die raſſelnde Weizenſaat vor Senſe und Sichel, fiel das Sarazenen⸗ volk unter den ungeheuern Schwertern der Kreuzritter.

Da riß der alte Emir ſchnell entſchloſſen das goldene Mondpanner aus den Händen des Trägers, faßte dann, ſchon ſelbſt blutend aus tiefer Stirnwunde, den Silber⸗ zaum des Zelters, drückte dem eigenen Roſſe die Sporen ein, und worf ſich mit der Tochter zugleich in den rau⸗

ſchenden Strom. Hoch auf ziſchte und ſchäumte die Flut wie in Liebesluſt der reizenden Beute entgegen. Drei treue tatariſche Reiter ſtürzten ſich nach.

Die Chriſtenkämpfer ſtutzten. Keiner wagte ſogleich den Nachſprung in die tückiſch⸗zürnende Flut. Nur hie und dort, zugleich entflammt, dieſer vom Heldendank der flatternden Fahne, jener vom Reiz der Sinne⸗ und Minne⸗ luſt, trieben Hermann von Leuenrode und Heinrich von

——

—.—.—