Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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ſie konnte ſich dreiſt gegen jede achtzehnjährige Geſpielin ſtellen, und durfte nicht fürchten, an jungfräulichem Reiz an aufgeknospeter Fülle und dem Anſtande des vollen⸗ deten Jugendalters beſiegt zu werden. In der beſchränk⸗ ten Lage ihrer Eltern hatte ſie von früh auf ſchon dem Kinderſpiel entſagen müſſen, hatte der Mutter in Küche und Hauſe zur Hand gehen müſſen, war die Wärterin der nachgeborenen Geſchwiſter geweſen, und hatte des Vaters Spruch: Wer eſſen will muß auch arbeiten! im⸗ mer vor Augen gehabt. So hatte ſich mit dem Körper auch der Geiſt frühzeitiger entwickelt; ein ſtiller Ernſt gab ihrem angenehmen Geſicht einen eigenen Reiz, und die Formen voll Geſundheit und Jugendkraft täuſchten nicht, denn eine muthige Seele herrſchte in ihnen, und eine echte Frömmigkeit, die des Gottesſchutzes gewiß war, erhob dieſen Muth bis zur Unerſchrockenheit, ſo daß Herr Thielo oftmals den Wunſch ausgeſprochen, ſie möchte ihm als ein Knabe geboren ſein.

Katharina verrichtete ihr Gebet, flocht dann die rei⸗ chen braunen Haarringel ein, doch ſchien ihr Gemüth noch zu erregt, um den Schlaf rufen zu können, darum löſchte ſie ihr Lämpchen und trat an das Bogenfenſter, durch welches der Mond in ſeinem ſchönſten Silberlichte hereinleuchtete, und das ganze Gemach in jene Halbhelle verſetzte, welche der Schwärmerei ſo lieb iſt, da in ihr die Kinder der Erinnerung und die Luftgeſtalten der Wünſche ſich gern zum Elfentanze herauf beſchwören laſſen. Lange, lange ſtand das holde Mädchen am Fen⸗ ſter und hielt das Haupt in der Hand geſtützt. Ihre Seele weilte nicht hier; ſie war hinübergeflogen in jene liebe Gegend, wo ſie geboren worden, wo ſo manches theure Merkmal ihrer Vergangenheit ſtand, und ihr