Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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heimlicher Seufzer ſprach: daß dort trotz aller Entbeh⸗ rung und Sorge Manches beſſer und lieber geweſen, als hier im Hauſe des Ueberfluſſes. Des Thürmers Horn, welches die Mitternacht abblies, erweckte ſie aus ihren Träumereien; ſie flüſterte halblaut: Standhaft und treu, ſo wird es mit Gott auch wieder werden wie dort;— und getroſt ging ſie zur Wand, wo ihr weißes, jung⸗ fräuliches Lager vereitet, und begann ſich zu entkleiden.

Doch noch hatte ſie nicht die erſte Silberſpange des Mieders losgehäkelt, ſo rief es leiſe und mit wohlklin⸗ gendem Ton ihren Namen. Sie glaubte die Stimme des Schweſterchens zu hören, und drehete das Geſicht beſorgt nach dem zierlichen Bett derſelben; aber der wie⸗ derholte Ruf kam nicht daher, ſondern vom Fenſter, wo ſie geſtanden, und mit geheimem Schauder ſah ſie dort mitten im Mondenſchein einen niedern Schatten, einem grauen Wölkchen gleich, und eine feine Kinderhand ſtreckte ſich aus dem formloſen Nebelbilde, und darüber wurde ein bleiches, zartes Kinderköpfchen in kaum deutlichen Umriſſen ſichtbar.

Wer iſt da? Und wer konnte herein? fragte ſie, kräftig ſich ermannend.—

Still, ſtill, wecke die Schläfer nicht! ſprach es aus dem Schatten hervor. Dich fliehet der Schlaf wie mich, Du haſt Gram wie ich, darum kam ich, mit Dir zu koſen, da es ſo traurig iſt, allein zu ſein in der Gottes⸗ welt.—

Aber wer biſt Du und wie konnteſt Du durch die verſchloſſenen Thüren? fragte die Jungfrau leiſer.—

Ich bin und bin nicht, antwortete es; ich lebe und habe nie Licht und Luft genoſſen; mein Weg hat keine Grenze und keine Schranke. Wohl ſollte ich ſchlafen bei