Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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Gericht, wo alle Unthaten gefordert werden vor das Licht und den Stuhl des allwiſſenden Richters.

Da klang es durch das Zimmer wie ein hohler, ſchmerzlicher Seufzer aus bekümmerter Menſchenbruſt, und die beiden Anweſenden erbebten, und traten unwill⸗ kürlich näher zur Kammerthür.

Was war das? fragt Graf Thielo mit ſchneller Er⸗ mannung, indem er mit dem Degen nach dem Bette ſchritt. Iſt hier Jemand verborgen und treibt ſeinen Spott mit uns? Der Kaſtellan faßte ihn ſchnell am Arme. Laßt ruhen, ſagte er bedeutend. Alles war mondenlang wohl verwahrt und verſchloſſen; jedes menſchliche Weſen hätte hier längſt der Hungerstod gerichtet. Aber kommt herab; Ihr wolltet noch die Kapelle beſchauen; auf ge⸗ weiheter Erde läßt ſich beſſer antworten auf ſolche Seufzer, und dort möget Ihr weiter fragen, vielleicht antworten die Todten dorten ſelbſt.

Der Graf folgte dem Greiſe, doch nahm er das Schwert mit, und als Rüdiger ſorglich jede Thür wieder verwahrt, ſtiegen ſie hinunter, und mit einer Ampel verſehen leitete der Graukopf den bleichen Schloßherrn zur öſtlichen Seite der Burg, wo die Schloßkapelle in Form einer geräumigen Rotunde an das feſte Steinhaus ge⸗ bauet war. Der Graf beſah die Wappenſchilde, Fähn⸗ lein und vergoldeten Helme, welche die Pfeiler und Wände zierten, und wenn auch beſtaubt und dem Moder verfallen, Zeugniß gaben von der Herrlichkeit ſeines Geſchlechts. Dann winkte er dem Kaſtellan zum Chore, und dieſer verſtand den Wink, und ſchlich den Mittel⸗ gang hinauf, bis er zu einer Fallthür kam, welche die Gruft des edeln Stammes deckte. Der Schloßherr half ihm, die ſchwere Eichenthür zu heben, und Beide