Kaſtellan; als ſich aber nirgend. ein Mordmal fand, kamen ſie in der Kapelle zuſammen, wohin man die Leichen getragen, und reinigten ſich durch einen Eid an der Bahre von jeglichem Verdacht.—
War Vetter Dippold zugegen? fragte der Graf wie⸗ der.— Nein, ſagte der Greis, ſchon ein Jahr lang beſuchte er Schloß Winzenburg nicht mehr, lebte am Hofe des Landgrafen, und iſt überhaupt nie mit Herrn Hermann in rechter Freundſchaft geweſen.— Der Graf riß das Schwert aus der Scheide, und ſtreckte es von ſich gegen das Bett hin. Sprich, du ehrlicher, deutſcher Stahl, der manchen Winzenburger in die Schlacht be⸗ gleitete, rief er im Grimm, ſprich wer deinen Geſellen im Kampfe, wer den blanken Schild Hermanns mit Blut begoß, daß ſein Eigner dahin fuhr in Jugendblüte und all ſeinen Sünden? Du bleibſt ſtumm, aber ich darf dich frei erheben und ſprechen, alles Gut möchte ich hingeben, die Gemordeten zu erwecken, und Gut und Blut will ich daran ſetzen, den Meuchler zu finden, der den Glanz dieſes braven Stahls fürchtete; das gelobe ich, ſo wahr ich ein Mann bin und edel geboren.
Ein gelber Blitz fuhr an den klirrenden Fenſterſchei⸗ ben hin, und erhellte die Dämmerung auf eine Sekunde zur Flammenglut, und gleich hinterdrein erſchütterte ein raſſelnder Donnerſchlag die Zinnen der Burg. Der Graf bebte zuſammen, der Kaſtellan aber faltete die Hände und ſprach leiſe: der Ewige hat es gehört und ange⸗ zeichnet. Der Herr mag geben, daß ich die Rache er⸗ lebe, ehe das Grab mich ruft; aber was der kluge Gauvogt nicht ermittelte, muß ſich tief vergraben haben, und ich fürchte, dieſes Blut wird klagen bis zum jüngſten


