Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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Mit Kraft ſchloß er auf, da das roſtige Schloß Wi⸗ derſtand leiſtete; die ungeölten Angeln kreiſchten bei dem Aufſtoßen der Flügel, doch war der Gang weit und hell, und einige Fenſter in der Höhe ließen die ſchrägen Strahlen der Abendſonne freundlich ein. Der Graf ſchritt dreiſt hinein, bis eine zweite Thür ihn anlockte, die unverſchloſſen ſogleich der Hand nachgab, und in ein geräumiges Zimmer leitete, welches durch Geräth und umherliegende Kleidungsſtücke als ein Familienzimmer ſich anzeigte, wo nach damaliger Weiſe nur die Ver⸗ trauteſten Eingang fanden, und wo Herr und Dame ihre Hauskleider mit dem Prunkgewande vertauſchten, wenn fremde Gäſte ſie im Ritterſaale erwarteten. Es war dem Eingetretenen, als hätten die Beſitzer erſt ſo eben die Schwelle verlaſſen, ſo erſchien das Innere deſ⸗ ſelben; nur der Staub auf den buntausgelegten Tiſch⸗ platten und auf dem Gewirk der Seſſel und an dem großen Schreine von Ebenholz gefertigt und mit Elfen⸗ bein ausgelegt, verrieth, daß es lange unbewohnt ge⸗ weſen.

Warum verſchloß man dieſes Gemach? Iſt es doch der freundlichſten eines im ganzen Schloſſe, ſprach Graf Thielo.

Drei Tage, nachdem die Herrſchaft begraben, ent⸗ gegnete der Kaſtellan, erſchien Herr Dippold von Kaſſel im Schloſſe. Er nahm ſich wie der künftige Herr und Erbe; aber dieſe Zimmer, wo hinein ſich ſeit dem trau⸗ rigen Tage Niemand gewagt, betrat er nicht, befahl aber herriſch, ſie bis zu ſeiner Rückkehr zu verſchließen; auch gebot er ſtrenges Stillſchweigen über die Umſtände der entſetzlichen Geſchichte. Das da war Herrn Hermanns eheliches Schlafgemach, wo der Mord geſchah. Blumenhagen. VIII. 2