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Er ſei im Schloſſe zu Hauſe, ſagte er, und heiße Engelein; verſetzte Aldo. Ach! er war ſo ſchön und weiß von Geſicht und hatte kleine helle Locken; Du wirſt ihn auch lieb haben, Vater, wenn er wieder kommt; und ſein Kleid war ein ſchöner Scharlachrock und ein Hütchen hatte er auf, weiß wie Schnee und ſo fein wie das krauſe Haar meines Lämmchens, das wir zu Vechta laſſen mußten.—
Weißhütchen! ſprach da die hohle Stimme des alten Kaſtellans aus dem Hintergrunde herüber.— Kennt Ihr den fremden Buben im Scharlachrocke? fragte der Graf, ſich raſch zu dem Greiſe wendend.—
Ja, ja, antwortete der Alte ſcheu, er iſt ein Spiel⸗ kamerad meiner Enkel und Urenkel, und gehört zum Schloßgeſinde. Ihr werdet ſchon mehr von ihm hören, wenn er auch ſcheu iſt und vor Erwachſenen davon läuft.—
Sagte er nicht, er müßte fort, weil der Gärtner mit den Knechten den Gang herab kam, unterbrach der Knabe mit Heftigkeit den Alten, und da ſchrie die Pollo⸗ nie und wollte, er ſollte da bleiben; er aber machte ſich los und lief in die Büſche und wir konnten ihn nicht wieder finden.—
Der Graf ſah mit Seuting auf den Greis, der den Kopf unmerklich ſchüttelte, wie die leichtbewegte Pappel ihren Gipfel regt im Morgenwinde. Er verwies ernſthaft der Kleinen ihre Thorheit, gebot der Mutter ſie zu beruhigen, und ſchien den Kaſtellan in ſein Ge⸗ heimzimmer befehligen zu wollen; da unterbrach ein Getöſe außerhalb des Schloſſes die Familienſcene. Es waren die Vögte mit den nahewohnenden Unterthanen, welche ihren neuen Herrn ſehen und begrüßen wollten.


