Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Mein Mutterherz ahnete recht, rief die Gräfin ſorgenvoll; o Du wollteſt nicht hören. Weinend führt der Aldo unſere Apollonia aus dem Garten. Gewiß hat ſie einen Fall gethan, oder iſt von einer böſen Schlange gebiſſen worden, wie ſie in ſolchen Waldgegenden heimiſch ſind.

Der Graf ging ſchnell zum Fenſter. Selbſtquälerin, überzärtliche Mutter! ſagte er, indem er lächelnd zurück⸗ kam. Katharina iſt ja dabei, und ihr Geſicht blickt ruhig herauf. Die kleine verzogene Puppe wird eigen⸗ ſinnig geweſen ſein und nach der willfährigen Mutter verlanget haben. Schon ſind ſie ins Schloß getreten, und Du wirſt ſogleich ſelbſt nachſehen dürfen, ob das Händchen ein Dorn ſtach, oder das Kleidchen einen Grasfleck bekam. Aber thue auch hierbei, was die veränderte Lage gebeut, ſieh in Deinen Kindern nicht mehr Weſen, welche für eine lange Beſchränkung und dauernde Entbehrungen erzogen werden müſſen; ein freierer Thatenraum iſt auch für ſie geöffnet worden; ſollen ſie glücklich und nützlich darauf leben, ſo müſſen auch ſie

ſelbſtſtändiger und kecker werden, als ſie vordem gedurft hätten.

Zwiſchen der ſechzehnjährigen hochaufgeſchoſſenen Ka⸗ tharina und dem ſechsjährigen derben Aldo, und von Bei⸗ den geführt, trippelte die dreijährige Apollonia, ein kleiner rothwangiger Krauskopf, mit naſſen Augen und ſchluchzend in das Zimmer.

Was that man meinem Polchen? Was iſt geſche⸗ hen? Wer hat ſie weinen gemacht? rief die Mutter und beugte ſich nieder zu dem Kinde, und ſchloß es an ihre Bruſt.

Ich habe ihr nichts gethan und Niemand hat ſie

2 3