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man drei Tage nach ihrem plötzlichen Verſcheiden begrub, und ſchon am Tage nachher legte der kleine Hexenmeiſter meinen Brief zu den Füßen des hochwürdigſten Biſchofs nieder. Mein Gedächtniß iſt nicht alt genug, um bei ſolch ernſter Sache zu trügen, und die Kalender haben dort wie hier dieſelbe Tagesordnung. Wie wir ſeitdem beunruhigt worden, wie der Gedanke an Teufelsſpuk und
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Werk der Hölle unſere Freuden vergällte, bedarf keiner
Verſicherung; auf Euch, den Vorſtand der Schloßbewoh⸗ ner, hofften wir. Euer Wort verkündet Eure Unwiſſen⸗ heit; ſo kann ich nichts thun in der Sache, als Euch befehlen, mir den kleinen Boten aufſuchen zu laſſen mit Eile und Umſicht; im Winzenburger Forſt will er hau⸗ ſen, und ſeine Geſtalt wird leicht zu kennen ſein, und kann ſich nicht im Volke verſtecken.—
Der Graf ſchwieg, erhitzt von der Länge und dem Inhalt ſeiner Rede, aber vergebens erwartete er eine Antwort von ſeinem greiſen Geſellſchafter. Der Kaſtel⸗ lan ſaß da, ſteif und ſtarr, und ſeine kleinen Augen ſtarrten das lange Gemach hinab, als ſähe er dort fremde Erſcheinungen und wäre verſunken in die längſt verſchollene Vergangenheit. Als aber der Graf mit einem gebieteriſchen: Nun? ihn erweckte, da ſchrack er zuſammen und ſagte leiſe und mit geſenktem Haupte: Ja, ja, da hätte ich dem Herrn Mancherlei zu antwor⸗ ten und zu vertrauen, aber die Gnädige tritt vom Altane
herein, und man darf die Frauen nicht beunruhigen vor der Zeit, denn Frauenherzen ſind wie reines Glas und zerſpringen gar leicht in harter Hand.—
Verwundert hörte der Graf des Dieners räthſelhafte Rede, ging aber der Gräfin Lisberta beſorgt entgegen, da er ſah, wie ſie ſo raſch von ihrem Sitze aufgeſprungen.


