Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Tracht glich der eines Bauern, doch auf dem Kopfe trug er ein feines Hütchen von weißem Filz verfertigt. Des Kaſtellans Geſicht verlängerte ſich bei der Be⸗ ſchreibung, und mit kaum merklichem Kopfſchütteln mur⸗ melte er: Weißhütchen! Ja, ja, Weißhütchen! in den grauen Bart. Der Graf ſtutzte; da ihn jedoch der Zu⸗ hörer erwartend anblickte, ſo fuhr er in ſeiner Erzählung fort: Ich las den Brief laut vor. Er enthielt den Be⸗ richt, daß mein reicher Lehnsvetter plötzlich zuſammt ſei⸗

ner jungen Gattin des Todes verblichen, daß mit ihm

ſeine Linie erloſchen ſei, und ich, nach dem Rechte der Abſtammung ſein reiches Erbe als nächſter Agnat in Anſpruch zu nehmen habe; daß ich aber nicht ſäumen dürfe, daß nicht Dippold von Aßel, ein Sproß der weib⸗ lichen Linie und Günſtling des heſſiſchen Landgrafen, mir den Rang abgewinne, und es ihm gelingen möchte, vor meiner Anmeldung und meinem Einſchreiten die Beleh⸗ nung von dem Hildesheimer Lehnsherrn ſich zu erſchlei⸗ chen. Das Schreiben machte mir Freude, aber Unruhe zugleich. Ich befragte das Männlein nach den Umſtän⸗ den des Abſterbens der Erblaſſer, nach dem Briefſteller, der ſich gar undeutlich unterzeichnet. Aber es wußte nichts; es wohne, war ſeine Antwort, im Winzenburger Forſt, ſei vom Schloſſe aus zum Botenritt gedungen, und habe vordem keinen Verkehr daſelbſt gehabt. Wir überlegten. Und wenn ich zum Augenblicke meinen An⸗ ſpruch dem hochwürdigen Biſchofe vorlegte, welcher Edel⸗ falk oder welche Brieftaube trüge das Pergament ſchnell

genug hinüber, ehe denn der nahe wohnende Vetter ſeine

Anſprüche geltend gemacht? Wir ſind vergeſſen und ver⸗ ſchollen; Niemand weiß von uns, kein fürſtlicher Gönner

ſpricht für uns, und dieſe Botſchaft wird uns nur ein