Teil eines Werkes 
8 (1843)
Entstehung
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Sonderbar! entgegnete der Graf. Sonderbar, wenn ich Dir glauben ſoll. Setze Dich zu mir, hieher in den Seſſel. Von Dir hoffte ich Aufklärung, als ich erfuhr, Du würdeſt der alte Rabe des Geſchlechts der Winzen⸗ burger genannt, und habeſt ihren Stammbaum in Dei⸗ nem Gehirn ſtehen, unverlöſchlich, wie die ehernen Buch⸗ ſtaben der Geſetztafel. Höre denn, vielleicht bringt Dich die Erzählung des Geſchehenen auf die Kundſchaft des unbekannten Freundes, der mir und den Meinen ſich ſo getreu bewährte. Fern von hier im Oldenburger Lande lebte ich, wenn auch nicht arm, doch nicht ohne Sorge und Bedarf. Du mußt ja wiſſen, daß die Seitenlinie nur den Namen, nicht aber die ererbten und im Kriege

gewonnenen Reichthümer mit den ehemaligen Beſitzern

dieſes Schloſſes theilte. Ohne Ahnung des nahen Wan⸗ dels meiner Schickſale war ich eines Abends heimgekehrt aus einem Feldzuge, den der tapfere Oldenburger gegen die ſtolzen Bremer gefochten, ſaß in meinem kleinen Hauſe, umringt von meiner Familie, mich erholend von den Beſchwerden des Marſches, an der Bruſt meiner ge⸗ treuen Ehefrau, die mir ſo eben die Wunden friſch ver⸗ bunden, welche ich heimgebracht. Da wieherte und ſcharrte ein Roß vor der Pforte, und meine Lisberta ſah vom Fenſter aus ein gar kleines, zartes Pferdchen, von dem ein Männlein herabſprang, welches auch ſofort dreiſt in Haus und Zimmer drang, ſich als einen Boten ankündigte, und einen Brief in meine Hand legte. Selt⸗ ſam war der Bote geſtaltet, eine Kinderfigur, freund⸗ lichen, einnehmenden Geſichts, doch mit gealterten Zügen, einem der Zwerge zu vergleichen, die ich auf meinen frühern Kriegsfahrten an den Höfen des Königs von Polen und des Kurfürſten von Sachſen geſehen. Seine