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Der eifrige Wächter paßte ganz zu dem Steinneſte der alten Heldenzeit, welches ihm zur Bewahrung ſchon ein Menſchenalter hindurch anvertrauet worden. Seine Geſtalt war dünn und ſteif, wie die gothiſchen Pfeiler der Spitzpforten, und kaum hatte die Zeit die Kuppel etwas zu beugen vermocht; ſein Geſicht trug die Farbe der grauen Mauern und hatte Riſſe und Furchen, wie die morſchgewordenen Wände; und die Augen ſchimmer⸗ ten matt grünlich aus tiefen Höhlen, den verwitterten Scheiben der Fenſter ähnlich, die von den dunkeln, gothi⸗ ſchen Vorſprüngen beſchattet wurden.
Mit Herzlichkeit trat der neue Gebieter auf ihn zu; in der Blüte des Mannesalters, mit einem Aeußern, das durch ritterliche Waffenübung die Würde ſicherer Mannlichkeit gewonnen hatte, erſchien in ihm der ſchnei⸗ denſte Contraſt mit dem verwitterten und abgewelkten Greiſe.— Müdigkeit und das Gedränge des Einzugs hielten uns ab, ſprach er, die ſtarke Hand traulich auf des Kaſtellans knochige Schulter legend, geſtern mehr als einen gutgemeinten Gruß an Euch zu Fenden⸗ Wir wer⸗ den die Säumniß nachholen, und vor allem jetzt ſofort den Dank ausſprechen, den wir Dir ſchuldig ſind, Du getreuer Nothwächter, Du wackerer Rüdiger.—
Welchen Dank? Und für was? ſtotterte der alte Mann mit angeſpannten Geſichtsmuskeln und blinzelnden Augen, welchen man die Bemühung des ſchwerfälligen Gedächtniſſes anſah.—
Sandteſt Du nicht den kleinen Boten mit dem Pferd⸗ chen, das den Wind überlauft? Schriebſt Du nicht den Brief? fragte Graf Thielo.—
So wahr meine Jahre baldigſt abgezählt ſind, ich weiß
nichts von beiden! antwortete der Greis kopfſchüttelnd.—
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