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Wächters wurde zum rothglühenden Auge deſſelben, das er mitten an der Stirn trug und zornig damit auf un⸗ ſern Einzug blickte; und als an der Zugbrücke der alte Kaſtellan uns entgegentrat, meinte ich, das Schloßge⸗ ſpenſt verträte uns den Weg, und ich konnte den Schrei nicht unterdrücken.—
Der Graf lächelte und ſchlug ſeine ſtarken Arme um den ſchlanken Wuchs der Gattin. Keine Schuld drückt unſere Herzen; wir ſind eingezogen in ein Erbe, das uns von Rechts wegen gehörte; laß uns bleiben, wie wir geweſen, als die Armuth unſere Geſellin war; laß uns des Wohlthuns und des Gebets und der Demuth nicht vergeſſen, und das Uebrige in die allmächtige Hand legen, die uns plötzlich und ungehofft zu Herren machte in einem nie geſehenen Eigenthume. Fröhlich das Em⸗ pfangene genießen iſt der beſte Dank für den Wohlthä⸗ ter. Sauge in Deine frohen Augen ein das üppige Bild von Flur und Wald, die Dein ſind; weide Dein Frauen⸗ gemüth bei dem Aufſchließen der Truhen und Schreine, welche das Glück Deiner Vorfahren für Dich mit rei⸗ chem Silbergeräthe und goldenen Kleinodien füllte; be⸗ wirthe die Nachbarn und jeden fahrenden Gaſt mit Verſchwendung, darin gebären ſich ja die Seligkeiten der Hausfrau; und vor Allen blicke hier unter uns in den Schloßgarten, und labe Dich an der Freude Deines Aldo und Deiner Apollonia, wie ſie ſpringen und ſich wälzen auf dem Blumenrain und in dem duftigen Ge⸗ büſch, gleich jungen Rehkälbern. Auch ſie fühlen in⸗ ſtinktartig, daß es hier anders iſt wie in dem flachen Lande, welches ſie gebar; die Ahnung der Freiheit iſt über ſie gekommen, und gleich ihnen wollen wir das Glück nehmen ohne Skrupel.—


