4
hoch das Geweih tragend und ſtolz den Kopf zurück⸗ werfend im Gefühl der Freiheit und Kraft, ſo dürfen auch wir von jetzt an frei und ſtark auftreten, und mö⸗ gen uns nur beugen, wie es ſich geziemt, vor des Kai⸗ ſers Majeſtät und vor unſerm und gerechten Lehnsherrn.—
Ja ſchöner iſt es hier als im frieſiſchen Vaterlande und in der dicken, feuchten Luft am Moorbak, antwor⸗ tete Frau Lisberta. Aber das und die Armſeligkeit un⸗ ſeres Hausſtandes ließ ſich ertragen mit Demuth, Geduld und Liebe. Nur zweierlei quälte mich dort; zuerſt, daß Du aus Liebe zu mir, des herabgekommenen Häuptlings Tochter, Dienſtmann wurdeſt bei dem Oldenburger, dem Du doch gleichbürtig wareſt, und eine fremde Feldbinde trugeſt, und nächſtdem die Sorge um die Zukunft der Kinder. Beide Quälgeiſter ſind an einem Tage gebannt worden, und darum muß mein Leben ein fortdauernd Dankgebet werden und mein Auge ſich immerfort nach oben wenden, von wo die wunderbare Gnade kam.—
Wunderbar genug, ſprach Graf Thielo gedankenvoll vor ſich hin, wenn ich des Boten und des erſten Briefes gedenke, und wie mir der Empfans am Biſchofshofe ſo freundlich bereitet.—
Denken wir nicht daran, ſiel die Edelfrau ein, in⸗ dem ſie zugleich ihre Blicke furchtſam durch das weite Gemach hinter ſich ſtreifen ließ; ſchon geſtern bei unſerer Ankunft im Dämmerlichte überfiel mich ein Grauen, erinnerte ich mich deſſen, und gedachte ich des traurigen Schickſals unſerer Verwandten; die grauen Schloßmauern ſchienen mir zu wanken und den Einſturz zu drohen, der große Wartthurm dort auf dem Kegelberge geſtaltete ſich mir zu einem dräuenden Rieſen, und die Leuchte des


