518
gerathen werden. Aber dieſer wird wohl gütlich ab⸗
laufen, denn er iſt offenbar ein guter Swedenbor⸗
ianer.
5 Man tanzte in dem großen Salon. Ein ſchönes, offenbar lungenſüchtiges Mädchen walzte mit einer Leidenſchaft, als wollte ſie ſich zu todt tanzen, und ihr Cavalier und Galan half ihr getreulich dazu. Ich war nicht vergnügt. Ich dachte an die Weihnacht in Schweden und an die Heimath. Hier verſteht man ſich nicht auf die Weihnacht, aber in Schweden ver⸗ ſtehen wir dieſes Feſt.
Ich war am Chriſttag in der Kirche, einer hüb⸗ ſchen Kirche, deren dunkelfarbige Glasfenſter alles Licht wegnahmen; ich hörte eine trockene ſeelenloſe Predigt, die mich ganz und gar nicht erbaute, und Neu⸗Orleans erſchien mir als eine trockene langweilige Stadt. Ich dachte an die Weihnachtsmeſſe in unſerer ländlichen Kirche, an die Schlittenfahrt dahin in der Morgen⸗ dämmerung durch den Tannenwald in dem friſchen Schnee, an die Waldhäuschen mit den flammenden Weihnachtslichtern, an den Zug kleiner Bauernſchlitten mit luſtigem Schellengeklingel; an die ſchöne einfache Kirche im dunkeln Hintergrund des Waldes, an die aus allen ihren Fenſtern ſtrahlenden Lichter, an den heitern Anblick des Lichtes und Volkes darin; an das gemüthliche Landvolk in ſeinen warmen Kleidern; ich ſah den Reichstagsmann in Thyreſta in ſeinem Wolfs⸗ pelz durch die Kirchenthüre treten. Ich ſah die Kinder mit leuchtenden Blicken, ich hörte den kräftigen lebens⸗ vollen Geſang.
„Gruß Dir, Du ſchöne Morgenſtund.“
Ich ſang ihn aus vollem Herzen mit. Ja, das war Weihnachtsleben und Weihnachtsfrende!...
In Neu⸗Orleans iſt Weihnacht keine Weihnacht; ich meinte in einem heidniſchen Lande zu ſein.
Am Chriſttagabend unterhielt ich mich ſehr ange⸗
————„ 8— S— 8


